*Der schlaue Runenstein – Wo die Elfen tanzen

Älvalek

Artikel von Marian Schubert

Wundersame und schöne Geschöpfe, welche sich vor den Menschen normalerweise verbergen treffen wir in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts des öfteren an. Ob, ganz modern, in „Artemis Fowl“ von Eoin Colfer, oder mediävistisch fundiert und für ein breites Publikum geöffnet in Tolkiens Roman- Trilogie „Der Herr der Ringe“.

Gemeint sind natürlich die Elfen…

Aber nicht nur in der modernen Literatur treffen wir diese sonderbaren Wesen an. Elfen (oder auch Alben, Elben oder Huldrer) sind in der Mythologie des Nordens stark verwurzelt. Zwar spielen sie eine weit geringere Rolle als die Riesen, sind aber durch die tiefe Verankerung im Volksglauben nicht aus der Mythologie wegzudenken.

Wo die Elfen wohnen

Meist leben Elfen versteckt, im Verborgenen, daher auch die Norwegische Bezeichnung „Huldrer“ (die Unterirdischen). Ihnen werden der Volkssage nach Wohnorte in den Bergen in unzugänglichen Schluchten zugeschrieben. Reich an Edelmetallvorkommen bieten diese Wohnorte dem Glauben nach die besten Voraussetzungen zur handwerklichen Perfektion des Elfischen Schaffensdranges.

Diese Vorstellung eines zwar unwegsamen aber doch wunderschönen und geschützten Ortes zur Herberge der Elfen hat sich bis heute gehalten und wird, medial gestützt durch unvergessliche Bilder aus der Verfilmung des Tolkien Stoffes. Lichtelfen Leben der Edda nach beim Wahnengott Frey und sind Gebieter über Sonnenschein und Wind. Ihnen gegenüber stehen die Nachtelfen, welche bei Sonnenaufgang oder dem Hahnenschrei das weite suchen. Eine deutliche Verbindung zum Wasser wird hergestellt, so leben Elbengestalten hinter Wasserfällen, an Flüssen oder im Meer.

Der gute Elf

Das Bild der „guten“ Elfen ist ein Trugbild. Zwar erscheinen sie in der Mythologie als Geister, welche die Natur beleben und ihr Wachstum verleihen, jedoch treten sie nicht nur als Lebensspender auf, sondern auch als Würmer und Krankeitsbringer. Je nach Bewirtung, welche sie von den Menschen erhalten können die „Huldrer“ Krankeiten von Hautausschlägen bis zur geistigen Verwirrung („huldrin“ im norw. Volksglauben = geistige Verwirrung) verursachen. Sie teilen Schläge aus und verknoten Haar von Mensch und Tier, sodass es verfilzt. Überall wurden Elbische Wesen verantwortlich gemacht.

Dem noch nicht genug schmachten sie nach Menschenkindern. Nach Kuckucks- Manier stehlen sie die Kinder der Menschen und hinterlassen ihr eigenes, fahlgesichtiges Wechselbalg. Will man dieses loswerden gibt es nun zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin das Kind in die Kirche zu bringen, dann stirbt es. Folgt man der zweiten Möglichkeit, dann schlägt man das Wechselbalg so lange, bis sich die Elfenmutter ihr eigenes zurückholt und das entführte Kind zurück bringt. Da es heutzutage weder mit den Gesetzlichen Vorschriften, noch mit den moralischen Vorstellungen der Gesellschaft einhergeht ist doch stark zu hoffen, dass die Elfen derzeit Rücksicht nehmen und den Menschen im Norden nicht mehr derartig den Kopf verdrehen, dass diese es für sinnvoll erachten solche Praktiken weiter auszuführen.

So verschlagen und listig die Elfen auch dargestellt werden haben sie doch auch ihre guten und aufrichtigen Züge. Sie sind weitestgehend Naturgeister, gehören also zu den Toten und wohnen in den Gräbern. Das hört sich zunächst nicht sehr vertrauenerweckend an, konnte jedoch sehr praktisch für die Gläubigen des Heidentums sein. Zunächst wurden Opfergaben zur Julzeit, also zur Zeit der Wintersonnenwende, über den Grabsteinen dargeboten um die Elfen zu besänftigen. Außerdem konnte man, und diese Praktik wird wohl auch heute noch ab und zu von manchen Menschen ausgeführt, z.B. bei Erkrankung des Kindes, ein Opfer bringen um diesem zur Genesung zu verhelfen. Die Elfen konnten also nicht nur Krankheiten bringen, sondern auch heilen.

Huldrenmädchen

Huldra-Theodor_Kittelsen

Huldrermädchen sind Elfenähnliche Geschöpfe, sie haben in vielen Darstellungen einen Kuhschwanz, aber „[…] sie sind auch ein bisschen sexy.“ So mein norwegischer Mitbewohner als ich ihn fragte, ob er an Elfen oder Huldren glaube. Nun denke ich er müsse sich vorsehen, da diese Geschöpfe Christenjünglinge anlocken und sie mit Hilfe eines Vergessenstrankes in ihren Elfenhügel verschleppen. Dieser Vergessenstrank steht sinnbildlich für das Verfallen der Menschen an die Elben und an andere verführerische Wesen. Nichteinmal vor den Göttern machen sie halt. Vier Zwerge (in der nordischen Mythologie sind das auch Elfenwesen) bringen Freyja ein kostbar geschmiedetes Halsband, welches sie ihr jedoch erst überlassen, nachdem sie alle „zufriedengestellt“ hat.

Tanz

Der Tanz und die Musik ist den Elfen ein Vergnügen, das verführerische Schauspiel dauert die ganze Nacht hindurch von Sonnenuntergang bis zum ersten Hahnenschrei. Der ganze Wald erstarrt und lauscht dem Gesang der Zwergentochter Ulfa.

Ein solches Motiv wird von Atle Halstensen und Kjetil Fluge aufgenommen. Sie komponierten den norwegischen Beitrag zum Eurovision Song Contest, kurz ESC im Jahr 2006. Gesungen wurde der Titel „Alvedansen“, was soviel bedeutet wie Elfentanz von Christine Guldbrandsen. Musikalisch, sowie auf der Texlichen Ebene gibt der Song meiner Meinung nach wenig her (aber über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten) jedoch ist das Thema klar!

Bei der Aufführung des Beitrags Singen und tanzen Guldbrandsen und ihre fünf Begleiterinnen in Elfischer Manier.

Aufreizend wird das Thema der Nacht im Zusammenhang mit der Verführung einerseits durch das Kostümbild, andererseits aber auch durch den Text, welcher wohlgemerkt in Norwegischer Sprache ist, hervorgehoben.

Ingen vet
Vinden leker
Månen ser bort
Og vi er alt“

Es bleibt also festzuhalten: Elfen sind unberechenbare Geschöpfe, welche in vielen verschiedenen Formen auftreten können. Sie bringen Krankeiten, heilen aber auch. Sie sind verantwortlich für Sonne und Wind, manche aber können nur bei Nacht ihr Unheil oder Heil bringen. Sie verführen Menschen und Götter und sie sind Meister der Hanwerkskunst.

Und, sie sind „[…] auch ein bisschen sexy.“

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Ein Gedanke zu „*Der schlaue Runenstein – Wo die Elfen tanzen

  1. Ja, Lichtelfen leben der Edda nach beim Wahnengott Frey und sind Gebieter über Sonnenschein und Wind. Kein Wunder das ist ja auch Nordalbingen. Das beanspruchten die Wikinger. Südalbingen stand unter dem Scheffel der Franken, wo die Nachtelfen lebten, welche bei Sonnenaufgang oder dem Hahnenschrei das weite suchen. Deswegen beginnt das Ragnarök auch mit dem Hahnenschrei. Das die Franken Unheil bringen wussten die Wikinger nur zu gut. Und das sie den Christen geistige Verwirrung zuschrieben und ihre Kinder als fahlgesichtige Wechselbälger bezeichneten die man ihnen unterschob, ist nur allzu verständlich wurden sie doch durch die Franken zwangsweise christianisert.
    „Huldrer“ heisst übrigens nicht unterirdisch sondern „unten“. Aus skandinavischer Sicht also unterhalb Dänemarks. Kaum zu glauben das eine Antwort so einfach sein kann.

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