*Der schlaue Runenstein – Vestfolds Kulturerbe

Oseberghaugen

Artikel von Ornella Maggi

Vestfold ist eine der 19 Provinzen Norwegens, westlich der Osloer Bucht und grenzt an Buskerud und Telemark an. Obwohl flächenmäßig am kleinsten, weist Vestfold eine große Vielfalt an historisch wichtigen Städten und Fundstätten auf, die die Wahrnehmung der Provinz prägen.

Neben Sandefjord und Tønsberg ist Kaupang zu nennen. Es wird angenommen, dass Kaupang die erste städtische Siedlung Norwegens ist. Für die Wikinger war Vestfold ein Knoten- und Angelpunkt und wirtschaftliches Zentrum für den Handel. Die geographisch günstige Küstenlage mit Nähe zu weiteren Teilen Europas ermöglichte ihnen regen Schiffverkehr. Zwei archäologisch äußerst wertvolle Zeugnisse dieser Zeit sind das Gokstad- und Osebergschiff. 1880 wurde das Gokstadschiff ausgegraben, das 21,5 m lange Osebergschiff 24 Jahre später. Die Grabhügel (haugene), aus denen die Funde zutage befördert wurden, sind heute noch in der Provinz zu bestaunen. Vesfold wird also zu Recht von vielen Personen als „führende Wikingerprovinz“ bezeichnet.

In den letzten Jahren konnte man den zunehmenden Trend beobachten, dieses Kulturerbe nach draußen zu tragen und über die Landesgrenzen hinaus bekannter zu machen. Da liegt es nahe, dass Vestfold im Jahre 2010 gleich vier Nominierungen für einen Platz auf der UNESCO Weltkulturerbeliste beantragte. Neben den schon erwähnten Oseberg- und Gokstadhaugene und Kaugang schickte Vestfold auch die Borrehaugene ins Rennen. Aus der Anhäufung von vielen Grabhügeln stammen interessante Funde aus der Vorzeit und der Sage nach soll man im Morgengrauen noch die Unterirdischen auf den Grabhügeln hören können.

Auf der Liste des Weltkulturerbes zu sein ist selbstverständlich sehr prestigeträchtig und mit dem Erlangen weiterer Bekanntheit verbunden. Für die Provinzbewohner, die eine „neue Wikingerzeit“ entstehen lassen wollen, da der Geist dieser Zeit noch in ihren Wurzeln verankert ist, wäre das besonders von Vorteil. So könnte die Kultur der Wikinger international verständlicher gemacht werden und vorgefertigte Meinungen und Vorurteile abgebaut werden. Viel zu oft sind Bilder von blutrünstigen Räubern und Ausbeutern in unseren Köpfen verankert, die die handwerkliche Expertise und Handelstätigkeit der Wikinger völlig überschatten.

Desweiteren spielt das Zusammenwirken der Gesellschaft eine große Rolle für die Identitätsbildung einer Region. Unterstützung von Kommunen, freiwilligen Organisationen und der Wirtschaft sind unabdingbar, wenn es um die Repräsentation nach außen geht. Die Bewohner Vestfolds zeigen sich in der Hinsicht äußerst engagiert und ambitioniert. Es werden beispielsweise Wikingerfestivals veranstaltet, bei denen die Gäste ein Stück der traditionellen Lebensweise der Wikinger näher gebracht bekommen. Die Aktionen sind familienorientiert, denn schon den Kindern soll die Verknüpfung zur Geschichte des Landes näher gebracht werden. Natürlich ist es immer ein schmaler Grad zwischen der authentischen Darstellung früherer Ereignisse und Entertainment-orientierter Darbietung; das Gewinnen von Touristen spielt für die Region eine große Rolle.

Das historische Zentrum Mitgard lädt zu ständigen Ausstellungen zur Geschichte der Provinz ein und bietet durch viele Veranstaltungen die Möglichkeit, die Wikingerkultur kennenzulernen.

Wohl in diesem Sommer soll entschieden werden, ob eine der vier Nominierungen einen Platz auf der Weltkulturerbeliste erhält. Mit einer Platzvergaben gehen jedoch auch einige Verpflichtungen für die Kommunen mit einher. Zwar könnten Forschungsprojekte leichter und langfristiger geplant werden.  Doch ist bei der weiteren Stadtplanung und Bebauung des Gebietes Vorsicht geboten, denn schnell kann der Wert der Stätte sinken und diese dann von der Liste genommen werden. Außerdem stellt sich die Frage, inwiefern man in solch historische Überbleibsel eingreifen sollte. Bürgermeister Bjørn Ole Gleditsch stellte zum Beispiel den Plan vor, einen Tunnel in den Gokstadgrabhügel zu graben, um den Besuch des Hügels zu einem lebendigen, attraktiven Erlebnis zu machen.
Geht es dabei noch um die Erhaltung historisch bedeutender Funde oder schon um auf Profit ausgelegte Attraktionslust? Entwicklungen in der Zukunft sind also mit Spannung zu erwarten. 

Quellen:

http://www.sb.http://www.sb.no/kultur/na-skal-haugen-erobre-verden-1.5839158no/kultur/gravhaugene-kan-bli-verdensarv-1.5235732
http://www.sb.no/nyheter/vil-du-ga-inn-i-gokstadhaugen-1.5841715
http://www.sb.no/nyheter/vil-du-ga-inn-i-gokstadhaugen-1.5841715
http://www.sb.no/nyheter/meninger/en-ny-vikingtid-i-vestfold-1.887054
http://www.sb.no/nyheter/meninger/kulturfylke-med-muligheter-1.960013
http://www.visitvestfold.com/de

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