Wandergruppe – Der erste Pausentag

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19 Tage Wanderung liegen hinter uns. Bald geht es Richtung Gebirge. Wir entschlossen uns kurzfristig einen Pausetag einzulegen. Einen Tag kein Zelt aufbauen, sondern rumhängen, lesen, futtern und vor allem einmal trocknen. Gemeinsam mit Marian und Björn schlugen wir das Zelt auf einem Campingplatz in Tretten im Gudbrandsdal auf, um als ganze Gruppe ein paar ruhige Stunden zu verbringen. Die letzten Tage waren sehr fordernd für unsere Körper.

Es gab Tage, an denen wir mal etwas weniger liefen und komfortablere Unterkünfte hatten – wie zum Beispiel auf dem Bauernhof von Bauer Halvor und in der Nacht danach ein paar Ortschaften weiter im Hause seines Bruders, doch gelaufen sind wir stetig. Mal etwas entspanntere 15 km, mal strapaziöse 30 km. Die Routine blieb dieselbe: Frühstücken, Zelt abbauen, Laufen, Rasten, Laufen, Zelt aufbauen, Essen, Schlafen und am nächsten Morgen wieder in die nassen Schuhe steigen.

Jetzt tut es gut einen vollen Tag zu haben, um Postkarten zu schreiben und einfach nur ein bisschen auf der Wiese zu liegen. Das Wetter spielt mit und so stellt sich auch der ersehnte Trocknungseffekt ein.

Durch Björns kniebedingtes Aussetzen sind ja bereits ein paar Eindrücke aus der Wandergruppe auf den Blog gekommen. Andersrum bekommen wir von Berlin und der Welt recht wenig mit. An den Tankstellen erhaschen wir immer wieder mal die Titelseiten der norwegischen Tageszeitungen. Ansonsten werden wir von der mobilen Gruppe immer wieder mal upgedated in Sachen Inkubato, Blogartikel und Grüße aus der Heimat. An dieser Stelle noch mal tausend Dank an alle Unterstützer!

Aber genau diese Abgeschiedenheit genießen wir auch. Wir laufen durch wunderschöne Landschaften, machen interessante Bekanntschaften und können uns all dem mit unserem ganzen Bewusstsein widmen. Keine Mails, keine Termine, kein ablenkendes Handyklingeln – wir müssen nur grundlegende Dinge im Kopf behalten: Die Länge der Tagesroute, die Wasser- und die Nahrungsvorräte.

Die Stimmung in der Gruppe ist so unterschiedlich wie die Wetterlage, die Aussicht und der Untergrund unter unseren Füßen. Mal sind wir albern und kindisch, zitieren blöde Sprüche aus dem Fernsehen, mal spielen wir Liederraten, singen einfach so vor uns her oder quatschen dummes Zeug in allerlei deutschen Dialekten. Aber weite Strecken des Weges läuft jeder für sich – versunken in seine ganz eigenen Gedanken. Manche teilen wir hinterher, manche nicht.

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Ich pendele immer wieder zwischen den Zeiten. Mal bin ich in der Zukunft und stelle mir viele Fragen. Wie möchte ich das kommende Semester gestalten? Was sind meine Prioritäten jenseits der Uni? Es gibt so viel, das mich interessiert – aber was ist mir am wichtigsten? Die Fragen können aber auch weiter in die Zukunft gehen. Wie könnte mein Berufsleben aussehen? Was möchte ich noch erleben?

Andere Gedanken beschäftigen sich mit der Vergangenheit. Da tauchen plötzlich Menschen auf, die fast vergessen waren. Ganz konkrete Momente aus früheren Tagen, an denen man sich mit diesen Menschen verbunden fühlte. Es ist spannend diese Momente noch einmal zu durchleben. Was machen diese Leute heute? Es wäre schön den einen oder anderen nach der Reise mal wiederzusehen.

Viele Gedanken kreisen um Menschen in Berlin. Schon in meinem Auslandsjahr in Oslo habe ich erfahren, wie die eigenen Wurzeln an Bedeutung gewinnen, wenn man sich aufmacht in die Welt und das eigene Zuhause verlässt. Wenn ich mich dann nach Freunden und Familie sehne, ist das kein verzweifeltes Heimsehnen, sondern eine lebendige Sehnsucht, die das Gefühl der Verbundenheit weiter stärkt.

Immer wieder fantasieren wir gemeinsam darüber, wie wir unsere Heimkehr mit unseren Freunden feiern. Gleichzeitig wachsen wir aber auch innerhalb der Gruppe mehr zusammen. Wir lernen uns kennen – immer wieder aufs neue. Noch nie haben wir am Stück soviel Zeit miteinander verbracht und weil wir uns anders als im Alltag erleben, lernen wir unsere verschiedenen Gesichter kennen. Insbesondere aber auch unsere verschiedenen Gerüche.

Wir sahen verschiedene Grabhügel, darunter Oseberg, Gokstad und die altehrwürdigen Borrehaugene, überquerten den Mjøsa auf dem historischen Raddampfer mit dem mythologischen Name Skibladner und sahen zahlreiche Trolle auf Plakaten, Briefkästen und allen denkbaren Orten. Dennoch kommen wir in Bezug auf unser Thema vor allem durch die Berichte der mobilen Gruppe weiter, die mit unzähligen interessanten Persönlichkeiten gesprochen hat, die etwas erzählen konnten über die Kultur Norwegens – den Pilgerweg, nordische Mythologie, christliche und heidnische Wurzeln. Auch hier werden schon eifrig Pläne geschmiedet für einen Filmabend mit Chips, Popcorn und dem zu sichtenden Interviewmaterial.

Aber, bis dahin sind es noch viele Kilometer. Die zweite Hälfte der Reise beginnt und wir sind gespannt auf alles was kommt. Auf der Reise und danach.

Liebe Grüße aus der Wandergruppe an alle in Berlin!

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Ein Gedanke zu „Wandergruppe – Der erste Pausentag

  1. Hallo Adrian, ein sehr schöner Querschnitt durch die vergangenen und noch kommenden Tage
    auf euerm Weg durch Norwegen. Ich kann mir das alles dadurch recht bildlich vorstellen und nachempfinden…
    Ja, das hat schon was, mal die Hektik und das „ständig auf der Flucht sein“ hinter sich zu lassen
    und mal die Ruhe zu genießen und zu sich selbst zu finden, aber das ist ja wohl auch der tiefere
    Sinn so einer Pilgertour. Wir drücken euch ganz doll die Daumen das alles so klappt, wie ihr es
    geplant habt und gesundheitlich nicht weitere Störungen auftreten… Grüße an alle !!! Thoralf

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