*Der schlaue Runenstein – Stabkirchen und Baukunst – Spiegel von identitätskonstruktivem Synkretismus?

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Artikel von Björn Griebel

Stabkirchen & Baukunst – Spiegel von identitätskonstruktivem Synkretismus?

Heidnische und vermeintlich heidnische Darstellungen an norwegischen Bauwerken

Noch immer identifiziert und definiert sich Norwegen über seine mittelalterliche- und vormittelalterliche Vergangenheit. Das sogenannte Erbe der Vikinger dient als Konglomerat mannigfaltiger und grob definierter Attributionen der Zementierung eines Selbstbildnisses im In- und Ausland. Unklar bleiben die Nuancen, die tatsächlichen Eigenschaften, welche die Norweger_innen im Selbst- und Außenbild durch dieses Ahnenerbe von anderen Nationen zu unterscheiden haben. Hierbei geht es um mehr als nur die bloße Tatsache einer differenten Position im Potpourri historischer Ereignisse. Die Geschichte ist nicht nur die Geschichte ungekannter Ortsansässiger aus längst vergangenen Tagen, es ist eben die Geschichte von heroischen und heroifizierten Volksgenossen, einstigen Verwandten, deren Glanz im heutigen Norwegen noch zu schimmern scheint und deren vermeintlich typische Eigenschaften, so man dieses Erbe nicht der Vergessenheit preisgibt, sich für die Menschen verfügbar halten lassen.

„Borg Bryggerier ble etablert i 1855. Vikingen er vårt symbol på stolthet og uavhengihet[…]“[1] Wie das folgende Beispiel anschaulich zeigt, variiert die Symbolik nicht nur in den Möglichkeiten der in alte Zeiten zugedachten persönlichen Charakteristika, sondern die Identifikation mit der Vikinger- und Vorvikingerzeit bedient sich auch stets, und scheinbar ebenso beliebig, religiöser Symboliken:„Ægir brygger, ifølge Odin, det beste ølet, og dette vert brygga i det største bryggekaret i verda, ei mil djupt. I Ægir sin hall måtte gudane halde fred med kvarandre og den som laga bråk vart bortvist for evig tid. Med Ægir som førebilete har vi utvikla bryggeriet vårt med tilhøyrande skjenkestove med hans namn.“[2]

Der Vikinger, welcher die Etiketten der Borg Bryggeriet ziert (eine Illustration der Olaf II. Haraldsson Statue in Sarpsborg), trägt, hingegen dem heidnischen Ansatz der Ægir Bryggeriet, stolz ein christliches Kreuz auf der Brust. Natürlich beschränkt sich der Gebrauch vikingerzeitlicher Motive bei weitem nicht auf die Braukunst. Und so wirbt nicht nur die Ægir Bryggeriet Flåm mit einer Gildehalle im Vikingerstil und Drachenköpfen als Giebelzierde. Weit über Brau- und Gastgewerbe hinaus haben sich vermeintlich typische Symbole und Stilelemente aus alter Zeit in die heutige hinüber gerettet, treffender: sie werden bewusst reproduziert. Was sich als selbstbewusstseinsbildend erweist, verkauft sich auch gut und was sich irgendwie erhalten hat und in Folge dessen als typisch erachtet wird, findet, oft ungeachtet seiner historischen Grundlage, einen steten Ehrenplatz in der Vallhalla nationaler Symbolik. So waren es neben der Stabbauweise eben grade die Drachen-Giebelzierden, welche während der Nationalromantik im späten 19. Jahrhundert die Bauwerke von Architekten wie Holm Munthe und Haldor Larsen Børve in den sogenannten Drachenstil als Form nationalstilistischer Architektur einführten. Als Vorlage dienten in allererster Linie die norwegischen Stabkirchen, welche seinerzeit als eine Folge der Kirchenreform von 1851 im völligen Verschwinden begriffen waren und von denen nur noch ganze 28 in Norwegen (sowie die Stabkirche von Vang in Polen) erhalten geblieben sind.

Es sind eben jene Elemente: der Giebelschmuck, das Stabwerk der Grundkonstruktion und die kunstvollen Ausschmückungen der Portale und Innenräume, welchen sie ihre Berühmtheit verdanken und mit welchen sie im öffentlichen Verständnis Image-Pate einer religiös-sozialen und politischen Grundwandlungsphase Norwegens sowie Skandinaviens überhaupt stehen. Diese Elemente waren und sind nicht nur mannigfaltiges Vorbild für einen „nordischen“ Baustil, sie fanden auch interpretatorisch stets neue Wirkungsfelder. Neben der wissenschaftlichen Diskussion über die eigentliche Herkunft jener Stilelemente bediente sich vor allem die nationale und internationale Öffentlichkeit einer breiten religiösen Interpretationsvielfalt, welche dem Belieben nach mal im heidnischen Lager, mal im christlichen Kontext ihren Schwerpunkt fand. Es steht außer Frage, dass in einer Zeit der politischen Umwälzung und Selbstfindung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besonders auf die vermeintlich heidnischen Wurzeln jener Bau- und Stilelemente verwiesen wurde, welche die politische Okkupation und Zwangschristianisierung wohl überstanden hätten, sich gewissermaßen heimlich durchsetzten, um sich zum Trotz der Fremdherrschaft dennoch den Platz nicht streitig machen zu lassen. Bis heute hat sich zum attraktiven Image eines heimlichen Heidentums im christlichen Bauwerk, als dessen Begründung die Auffassung über die Grenzen Norwegens hinaus erhalten, das zwangsmissionierte Heidentum habe als Baumeister seine Auftraggeber zeitweilen gefoppt, indem es seine Bild- und Baukunst in die heiligen Häuser einwebte. Eine Kehrtwende vollzog hingegen die sich mit dem Thema befassende Wissenschaft – spätestens seit Olaf Olsens Werk „Hørg, Hov og Kirke“ von 1966, in welchem er die, oft für typisch-heidnisch gehaltenen baulichen Eigenschaften und deren äußerst zweifelhaften zugrunde liegenden archäologischen Untersuchungen der Vorzeit neu beleuchtete und etliche dieser Ansätze im Zuge dessen argumentativ aus dem Verkehr zog. Jene werde ich im Kommenden noch genauer betrachten. Dennoch hat sich in den vergangenen 20 Jahren archäologisch einiges getan, so dass ein Update erforderlich erscheint. Neue Ausgrabungen und Interpretationen der Kunstsubstanz zeigen, dass die Fragen um die Herkunft genannter Bau- und Stilelemente weiterhin nicht beantwortet sind. Auch unter dem Blickfeld eines scheinbar fortwachsenden Bedürfnisses nach religiöser Divergenz im Zeitgeist einer sich allmählich zur Kirche distanzierenden norwegischen Gesellschaft, scheint eine Betrachtung der Sachlage attraktiv.

Im Folgenden werden nach einer Darstellung der heidnischen, religiösen Orts- und Gebäudeformen, deren historischer und archäologischer Gegenstand beleuchtet und mit den Ergebnissen neuer Untersuchungen ergänzt. Dies bildet den ersten Teil dieser thematischen Reihe. Im nächsten Teil werde ich mich dann den Stabkirchen selbst zuwenden. Ich werde Bausubstanzcharakteristika und Eigenschaften anschauen und der Frage folgen, inwieweit einst heidnische Konstruktionen ihren Niederschlag im Bauwerk fanden. Nach der Betrachtung der architektonischen Substanz werde ich mich mit der Ornamentik und Ausgestaltung als dritten Abschnitt beschäftigen. Hier werde ich den wissenschaftlichen Interpretationen zum möglichen Sinninhalt der Ikonografie folgen und jene gegenüber stellen. Anschließend werde ich als viertes auf die Hintergründe in früherer und späterer Giebelschmuckornamentik eingehen und den bereits angerissenen „Neu“-Bauten mit ihren Stiladaptionen einen überblickenden Besuch abstatten. Ich werde der Frage folgen, ob und wo sich heidnische Elemente in der Architektur erhalten haben bzw. erkennen lassen. Eine Interpretation der Untersuchungen und öffentlichen Positionen unter dem Fokus nationaler Identitätsbildung bildet den Abschluss dieser Reihe.

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Der heidnische Kultort und seine Gebäude

Wenn von heiligen Stätten im germanischen Heidentum die Rede war, so dachte man lange Zeit gewöhnlich nicht an große errichtete Gebäude, wie wir es beispielsweise von den imposanten Tempeln der hellenischen Antike kennen. Man sah bei den germanischen Stämmen die Verehrung ihrer spirituellen Entitäten in erster Linie in naturnaher Umgebung, beziehungsweise direkt an natürlichen Objekten.

Tempel ist zugleich Wald. Was wir als gebautes, gemauertes Haus denken, löst sich auf, je früher zurück gegangen wird, in den Begriff einer von Menschenhänden unberührten, durch selbstgewachsne Bäume gehegten und eingefriedeten Stätte.[…] Damit behaupte ich nicht, dass diese Waldverehrung alle Vorstellungen, die sich unsere Vorfahren von der Gottheit und ihrem Aufenthalt machten, erschöpfe; es war nur die hauptsächlichste. Einzelne Götter mögen auf Berggipfeln, in Felshöhlen, in Flüssen hausen, aber der feierliche, allgemeine Gottesdienst hat seinen Sitz im Hain; nirgends hätte er einen würdigern aufschlagen können.[3]

Wann genau die Verwendung hölzerner Pfahlgötzen tréguð/ trémaðr; skurguð und Stäbe stafr aufkam, ist unbekannt. Dass jene nicht nur bei den Nordgermanen, sondern auch in anderen Kulturkreisen, wie zum Beispiel bei den Slaven oder Kelten eine große Rolle spielten[4], sei hier nebenbei bemerkt. Diese Form kultischer Verehrung reichte im keltogermanischen Raum wenigstens bis in die Hallstadtzeit zurück, wie archäologische Funde, z.B. im Opfermoor von Oberdorla beweisen. Dennoch kann man festhalten, dass die Verehrung natürlicher Objekte (Steine, Felsen, Steinhaufen, Bäume, Quellen usw.) und für heilig gehaltene Orte (Wegkreuzungen, Moore, Berge, Wälder, Grabfelder usw.) über die Einführung und den Gebrauch sakraler[5] Gebäude und Götterabbilder hinaus, bis zu den letzten Tagen heidnischer Zeit festen Bestand hatte.[6]

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Laurits Tuxen, 19.Jahrhundert: Absalon fällt das Gottesbild des Svantevit in Arkona

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Mit der Verehrung des stafr, welche in frühester Zeit im Freien stattgefunden hat, und der Fixierung von Opferplätzen mit festem Inventar, wie zum Beispiel Opfersteinen blótstein, Siedegruben und Altar stallr, muss das Bedürfnis nach Schutz eben jener Elemente gewachsen sein. In Folge dessen entwickelte sich ein Gebäude um das Heiligste, welches es nun vor Wetter, äußeren Blicken und Zugriff, oder unerwünschten Kräften  zu bewahren galt.[1] Es ist selbstverständlich, dass mit der sich vollziehenden Entwicklung vom reinen Heide- und Naturkult zum Natur- und Tempelkult, sich auch eine Bereicherung in der Ausstattung der Heiligtümer vollzog. Mögliche Hinweise hierauf geben nicht nur Hortfunde, wie beispielsweise jene von Hoen und Eketorp[2]. Die Tempelausschmückungen, trémaðr-Schmuck und Kleid[3] sowie sakrale Gegenstände, wie z.B. Schwurring oder mögliche Tempelfeuer brauchten als besonders wertvolle Sakramente einen permanenten Schutz und eine adäquate Gebäudestruktur, welche konsequenterweise dem Inhalt angemessen erschien. Wir dürfen annehmen, dass mit zunehmender Bedeutung und Einrichtung eines Gebäudes auch der Anspruch an dessen optische Erscheinung wuchs. Am hof der Thorgerd Hørdebrud, welcher Håkon Jarl opferte, seien so viele Glasfenster angebracht gewesen „saa at der ingensteds var Skygge“[4]. Hier genoss nun die Lichtdurchflutung des Raumes besondere Relevanz. Wieweit gewünschte optische Effekte sich in der Grundkonstruktion selbst auswirkten, lässt sich nur vermuten. Jeder Nachweis hierfür ist freilich schwierig zu erbringen, da weder eines dieser Gebäude erhalten, noch der Realitätsgehalt und die historische Präzision der literarischen Quellen zweifelsfrei sind. Es findet hier die Vorstellung solch umfangreicher Tempelanlagen, wie im einstigen römisch-antiken Kulturgebiet üblich, jedenfalls keinen Platz.

Zur nun folgenden Verwendung der begrifflichen Zuordnungen sei eine Sache vorweg-genommen: In etlichen der aktuellen Publikationen wurde die Identifikation für kultisch genutzte Gebäude fast einheitlich mit dem hof vollzogen, wobei jener damit keineswegs mehr ausschließlich der Form eines Langhauses entspräche, wie noch von Olaf Olsen angenommen, sondern als Bezeichnung für das sakral genutzte Gebäude in sich stehe. Der hǫrgr hingegen wurde auf sein einst steinhäufliches Antlitz vorwiegend außer Haus zurückreduziert. Es muss gefragt werden, ob man dem Sachverhalt gerecht wird, alles, was Gebäudecharakter mit sakralem Bezug hatte auf ein und dieselbe Begrifflichkeit zu minimieren. Tatsächlich kennen wir aus mittelalterlichen Quellen die Verwendung beider Begriffe im Sinne eines errichtbaren Objektes. In wieweit man Schlüsse über die faktische Spektrumsbreite des hǫrgr Begriffs in vorchristlichen Zeiten zu ziehen vermag, ist in Anbetracht der dünnen und zweifelhaften Quellenlage mit Hinblick auf die Sakralitätsfrage nur ungenügend zu beantworten. Eine andere Möglichkeit bietet sich im Rahmen onomastischer Untersuchungen, wobei bisweilen noch keine archäologisch verifizierten Verbindungen von Kultgebäuden und Ortsbezeichnung mit –horg, -hearg, -harg vorliegen. Auch müssen regionale Verwendungsunterschiede impliziert werden, worauf die Verbindungen mit theophoren Bezeichnungen in Schweden hinweisen, welche in Dänemark dagegen fehlen. Sicher ist man sich aber, dass es sich um eine Bezeichnung handelte, welche kultische Kennzeichnungen in Skandinavien mindestens implizieren konnte[5]. Hingegen dem hof ist eine Bezeichnung für ein zwischenzeitliches oder strukturursprünglich profanes Gebäude beim hǫrgr aber nicht anzunehmen. Profanität wäre dann eher im Sinne eines Naturobjektes anzudenken.[6] In diesem Sinne werden diese Funde hier vorerst auch weiter mit hǫrgr bezeichnet und so ein semantischer Unterschied zwischen den Gebäudeformen impliziert. Denn da nun die beiden, den Begrifflichkeiten unterstellte Gebäudeformen auch auf gemeinsamem Grund vorkamen, bietet es sich nicht nur aus interpretatorisch praktischen Gründen an, eine differente Betitelung vorzunehmen, wolle man das sakrale Einzelgebäude neben der Halle mit stallr und tréguð nicht einfach mit einem simplen Beihaus afhús gleichsetzen. Eine weitere Möglichkeit ist die Identifikation mit dem blóthús oder góðahús, dem ja semantisch erst einmal wenig entgegenzusetzen ist. Dennoch muss auch hier Vorsicht gelten, mit Hinblick auf die Frage des Zeitpunktes der Erstverwendung der Begrifflichkeit und der ebenso unsicheren Verwendungsbreite in heidnischer Zeit. Für den südgermanischen Raum ist zumindest die Bezeichnung plôthus belegt. Sicherlich gilt es in dieser Hinsicht noch manche Untersuchung abzuwarten, bis weitere Klarheit in die Definitionsfrage gekommen ist. Das hof und hǫrgr weder dasselbe, noch dass die Gebäudeform des hölzernen Tempel mit jener der Gildehalle nebst afhús grundverschieden waren, dürfte in Anbetracht archäologischer Funde zweifelsfrei sein. Eine treffsichere Verwendung der Begriffe ist derzeit unmöglich, da klare Identifikationen der Gebäudeformen mit ihren Bezeichnungen in mittelalterlichen Quellen fehlen. Die einzige Ausnahme könnte hier der hof zu Hofstaðir darstellen. Ich werde diese Fragen im folgenden Text mehrfach streifen. Zur Orientierung verwende ich vorerst die Unterscheidung, wie sie auch bei Olaf Olsen zu finden ist.

Demnach bildeten sich zwei Formen der baulichen Struktur als bis heute nachvollziehbar heraus, wobei der architektonische Ansatz auf verschiedenen Ursachen beruhen muss. Während nämlich eine Form auf Basis der Schutzbestimmung der heiligen Objekte, und weiter noch- in ihrer ursprünglichen Bedeutung aus dem heiligen Objekt selbst heraus, seinen Entwicklungsverlauf genommen haben mag, gemeint ist hierbei der hǫrgr, muss man für die andere, den hof, das profane Wohnhaus als ursächlich konstatieren. Wobei einiges dafür spricht, dass die multiple, also co-profane Nutzung hier vielfach nicht aufgegeben wurde, ja der Gebrauch zu Opferfesten und Gilden als dem gewöhnlichen Tagesgebrauch untergeordnet, wenn auch nicht als weniger relevant betrachtet werden kann.

In der Saga Literatur und den Chroniken findet man auf den hof mannigfachen Verweis und  als besonders berühmt muss der hof des Håkon Jarl zu Lade gelten. Jenem, der nach seiner Plünderung des Tempels zu Gotland noch als „Ulv i helligdomen“ geschmäht, kurze Zeit später schon als „den største Gudsfornægter og Blotmand“[7] Erwähnung erfährt. Snorri schreibt zur definiert heidnischen Politik Håkon Jarls:

Da Håkon jarl fór nordefter langs med landet om sommeren og landsfolket gikk under ham, bød han det over hele sitt rike at de skulde holde oppe hov og blot, og så blev gjort. Så heter det i Vellekla:

Den kloke høvding, kjent av
krigerne, lot nu Tors og
gudenes herjede hov-land
sanne helligdommer bli.
Bud om mannefall bar
skjold-bæreren titt til
fjell-landet hjem over havet.
Ham gudene styrer.

Og de hulde æser
til blót hugen vender.
Han som svinger hær-skjold,
heder får av dette.
Nu grønnes jorden igjen.
Atter høvdingen lar
gavmild mennene glade
gudehovene gjeste. […][8]

Dass die allgemeinen Ausschmückungen zu Gunsten der Darstellung gegensätzlicher Religionspolitiken seiner Zeit eine gewisse Überhöhung beinhalten, sollte stets bewusst bleiben. Dennoch kann man einiges über die Beschaffenheit des Gebäudes erfahren:

Og de gik nu ind i Skoven, først paa Veien, og derpaa ad en liden Sidesti; der traf de en aaben Plads for sig, paa hvilken der stod et Huus med  en Skigaard eller Stakitværk om; dette Huus var meget smukt, og i Udgraveringe var der indstøbt Guld og Sølv.[9]

Man kann also, neben der Einhegung und den bereits genannten Glasfenstern, aufwendige Gravierungen feststellen, wobei man weder etwas darüber erfährt, um welches Material es sich hierbei handelte, noch wo am Gebäude sich diese befanden. Auch bei den Glasfenstern wird nichts zur Beschaffenheit und Position vermittelt, ob sie nur licht- oder auch sichtdurchlässig waren, oder welche farbliche Beschaffenheit gegeben war. Ist hier zwar stets vom hof die Rede, findet  sich doch keine Beschreibung über die Form und Größe des Gebäudes. Insgesamt darf man sich fragen, ob die ausgelassenen Informationen der Unterstellung der Selbstverständlichkeit, der eigenen Unkenntnis, oder der Ursache zu schulden sind, dass man hier malerisch hinzudichtete. Dennoch ist die Möglichkeit nicht außer Acht zu lassen, dass die heidnisch markierte Opposition Håkon Jarls gegen die christliche Missionspolitik seiner politischen Konkurrenten auch in einer bewusst prunkvollen Herrichtung des Gebäudes seinen Niederschlag gefunden haben mag. Weiter ist zu lesen, dass „mengde afgudsbilleder inde[…]“ sowie „En kvinde var der inderst tværst for indgangen, og hun var kostelig prydet.“[10] Die Beschreibung des Gebäudeinhaltes hingegen wird in beinah identischer Form noch öfter begegnen. So erfährt man nämlich von einem Goldring, bei welchem Håkon Jarl vor den Füßen Thorgerds einen Schwur leistet. Jenes Rings sowie des Gottesbilder-Schmucks bemächtigt sich der spätere König Olav Tryggvasson bei seiner Zwangschristianisierung von Møre und dem Trøndelag, worauf er Håkons hof den Flammen preisgibt.[11] Bezüglich des Schwurrings sei hier eine Randbemerkung erlaubt: mehrere Hortfunde wiesen große Gold-, Silber- oder Bronzeringe auf, deren Verwendung als profaner Körperschmuck aufgrund ihrer Größe und des Gewichts als äußerst unwahrscheinlich anzusehen ist. Mit Recht wurde hier eine Verbindung zur Tempelausstattung interpretiert, d.h. die gefundenen Reife mögen Schwurringe oder/und tréguð-Schmuck sein, welche im Zuge der Sicherungsniederlegung bei beispielsweise erwarteten aufgezwungenem Tempelabriss samt den anderen geheiligten Münz- und Metallopfern von den Tempelhütern rechtzeitig andernorts vergraben wurden, um sie so vor dem Zugriff christlicher Opponenten zu schützen.[12] Konkrete Ortshinweise auf mögliche Kultstätten gingen daraus jedoch noch nicht hervor.

Þórólf Mosterskjegg, welcher von Harald Hårfagre wegen engen Beziehungen zu einem seiner Opponenten für friedlos erklärt worden sein soll und deshalb Norwegen verließ, soll ebenfalls ein großer blótmaður gewesen sein: „Han forestod Gudehovet der paa Øen og var en nidkær Dyrker af Tor, derfor blev han kaldt Torolf.“[13] Diesen hof soll er inklusive des Erdbodens unter dem stallr abgebaut und auf seiner Reise nach Island mitgeführt haben. Bei seiner Ankunft auf der Insel soll er vielen geographischen Erscheinungen theophore Namen gegeben haben, so Þórsnes, Þórsár, Helgafell, aber auch andere wie Breiðafjörður, Hofsvog und Hofstaðir. Auf letzterem errichtete er seinen hof:

„[…] med Dør paa Sidevæggen nær den ene Gavl. I dette Hov opbevaredes Højsædestøtterne, hvori der var slaaet hellige Nagler, og Stedet blev regnet for en stor Helligdom. Rummet havde en Udbygning i Lighed med Kirkernes Kor. Og paa en Forhøjning midt paa dennes Gulv, lignende et Alter, laa der en svær, uskødet Ring, ved den skulde enhver Ed sværges. Ved alle Folkeforsamlinger skulde Hovpræsten bære denne Ring paa Armen. Paa Alteret skulde Blodbaljen staa, og i denne Stænkeren, den Gren, hvormed Offerblodet stænkedes ud. Omkring Alteret stod Gudebillederne. Til Hovet skulde enhver betale Skat og være rede til Rejser i Hovgudens Ærinde ligesom Tingmændenes Pligt er overfor Høvdingerne. Offerpræsten skulde derimod selv bekoste Helligdommens Vedligeholdelse og Offergilderne.“[14]

Erste Ausgrabungen auf Hofstaðir in Mývatnssveit erfolgten 1909 durch Daniel Bruun und Finnur Jónsson, eine weitere im Jahre 1965 durch Olaf Olsen. Untersucht wurden die Reste einer einstigen Hallenkonstruktion skáli bestehend aus zwei Räumen mit korrekter Nord-Süd Ausrichtung. Der große Hallenraum erstreckte sich über eine Länge von ca. 36,30m, an seiner breitesten Stelle ca. 8,25m, aufgrund der leicht konvexen Gebäudeform mit ihren gerundeten Eckformen maßen die Giebelwände ca. 5,85m sowie ca. 6,20m. Das Gebäude bestand einst aus einer zweireihigen Holzpfahlkonstruktion, auf welcher das Dach ruhte, umgeben mit Grassoden-Wänden, welche zum Zeitpunkt der Ausgrabungen nicht höher als 90cm waren. In der Mitte des Gebäudes fand man eine Hauptfeuerstelle herd, durch Steinumrundungen markiert, welche sich in einer 25m langen, 2m breiten und 25cm tiefen Aushebung befand, in welcher man auf Grund einer großen Menge Holzkohlepartikeln neben etlichen Haustierknochen eine Art Langfeuer vermutete. Mehrere kleine Feuerstätten wurden entlang der Langwände gefunden, sowie eine weitere, bestehend aus 17 handgroßen Lavasteinen “og der kan herefter næppe være tvivl om, at den har været beregnet til sydning af kød.“[15] Die große Halle besaß laut den Grabungsergebnissen, wie in der Eyrbyggja Saga beschrieben, nur einen Hauptzugang in östlicher Richtung. Von nördlicher Seite schloß der kleine Raum mit einer separaten Eingangstür in westlicher Direktion mit einer Länge von ca. 6,2m und einer Breite von ca. 4m. Auch hier fand Bruun, neben einer 30cm hohen und von 90x75cm Umfang bestehenden Erhöhung aus Steingrund und Grassoden, ebenso Aschespuren, Holzkohle- und Knochenteile von Haustieren an der Südwand zur großen Halle. Da die Spuren der benachbarten Feuerstelle in der großen Halle deutlich unter die Trennwand der beiden Räume ragten, schloss Olsen entgegen der Auffassung anderer[16], die Gebäudeteile seien von unterschiedlicher Entstehungszeit, dass diese Trennwand zusätzlich und später eingefügt worden sei. Die Bedeutsamkeit des Sachverhaltes ergibt sich nun hierbei aus der daraus resultierenden Interpretation des kleinen Raumes, und zwar ob es sich dabei um das, einem Kirchenchor ähnliche afhús des hof handelte, in dessen Mitte laut der Saga der Altar gestanden haben soll. Olsen und Roussell bezweifelten die Funktion der Erhöhung in dem kleinen Raum als eine einem stallr gemäß zuzurechnende und verwiesen des weiteren auf die solide Bauweise der Trennwand, welche daraus resultierend vermutlich keine großräumige Sichtöffnung in den Nebenraum beinhaltete, ohne dadurch gänzlich ihren Sinn einzubüßen. Ein ganz anderes Indiz für die sakrale Nutzung der skáli sah Olsen dagegen in einer Grube südlich des Gebäudes, welche unter den Interpretationen Bruuns und Jónssons in Folge ihrer Ausgrabungen weniger Beachtung fand. Diese Grube war von einem Erdwall mit 30cm bis 40cm Höhe umgeben und von einem 6,70m Nord-Süd Durchmesser sowie 5,75m Durchmesser in west-östlicher Diagonale. Die Tiefe betrug bis zu 1,80m von der Oberkante der Erdumwallung. In Anbetracht der Funde von Asche, Tierknochen und Lavasteinen, sowie der Größe und Schüttstruktur, kam nach Olsens Einschätzung hier in erster Linie eine Kochgrube zum Vorschein, welche großen Opferfesten zu Diensten stand. Für den profanen Alltagsgebrauch sah er hier die Dimensionen überproportioniert und die geographische Lage unter offenem Himmel, sowie die Ausrichtung zur Halle als einer bewussten Funktion unterliegend. In direkter Längsverbindung mit dem Langhaus gelegen verstand er außerdem die Möglichkeit einer südlichen Türöffnung in der Giebelholzwand der skáli. Eine weitere Schlussfolgerung ging damit einher, nämlich dass die Opferschlachtungen gänzlich außerhalb des Gebäudes stattgefunden haben könnten, ganz in der Tradition alter germanischer Naturplatzverehrung. Damit konstatierte er im Weiteren den hof auf Hofstaðir als ein Gebäude, in welchem zwar Opfergilden und Feste abgehalten wurden, welches aber hinsichtlich der Ausgrabungsfunde einer profanen Nutzung, ganz entgegen der Kochgrube südlich der skáli, keinesfalls entbehrt hätte. “Helligdomen kom først til hovet, når de til guderne slagtede og tilberedte dyr blev bragt herind, og kultforsamlingen ved måltidet forenedes i gudsdyrkelsen ved ritualer, af vilke vi kun har et uklart billede.”[17]

Dem ist entgegenzusetzen, dass sich in den historischen Quellen deutliche Darstellungen von Blutbesprenkelung der Gebäude finden. Das Schlachten kleinerer bis mittelgroßer Tiere (z.B. Geflügel, Schaf, Hund, Ziege) ist grade innerhalb des Gebäudes je nach Art der Ausführung und unter dem Ziel eines blutigen Exzesses daher besonders vorstellbar und keinesfalls auszuschließen, wie noch zu sehen sein wird. Ebenso wenig ist der exklusive kultische Nutzen als Bauobliegen durchweg ausschließbar. Das Bedürfnis nach einer externen Siedegrube stellt beim hof eines Goden goði, sollten Olsens Annahmen stimmen, einen klaren Hinweis auf die Größe der gehaltenen Opfergilden und die Bedeutung des Goden innerhalb der Gesellschaft dar. In diesem Fall wäre der Fund einer Siedegrube bei anderen Untersuchungsobjekten ein Indiz für eine heidnische Kultstätte, wobei es unmöglich sein dürfte, dies als konstitutiv für alle hof– und Kultgebäude anzusehen, da Umfang und Aufwand der blót-Gilden je nach Opferanlass, Tradition, politischer Position und ökonomischer Situation des Eigentümers sicherlich variierten.

In den Jahren 1992-2002 fanden indes neue Ausgrabungen auf Hofstaðir durch Gavin Lucas und Thomas McGovern statt. Sie ergaben unter anderem die Gewissheit, dass die steinerne Trennwand zwischen skáli und afhús eine spätere Konstruktion (um 1300 n.Chr.) war und dass der westliche Ausgang des afhús in diese Konstruktionsphase zu rechnen war. Diese wurde auf einer älteren Konstruktion aus Torfwänden errichtet, welche einzig durch einen Zugang in der Südwand zur skáli, an welchem sich an den Eingangsecken zwei dachtragende Holzpfeiler befanden, zu betreten war. Den Konstruktionszeitraum setzten sie für den Beginn des 11. Jahrhunderts an. Mitte desselben Jahrhunderts sei die Verwendung eingestellt und  der Durchgang mit Torf verfüllt worden. Die große Halle selbst sahen sie um das Jahr 950 n.Chr. errichtet. Jene besaß, wie schon von Olsen vermutet, zwei Westausgänge: einen gegenüber des Osteinganges im nördlichen Teil des Gebäudes sowie einen im südlichen Teil. Ob jene von Anfang an Teil der Hallenkonstruktion waren, oder kurze Zeit später hinzugefügt wurden, vermochte Lucas nicht zu schlussfolgern. Er sah es jedoch als möglich an, dass der Osteingang länger als Haupteingang gedient haben könnte, nachdem der Westeingang zugeschüttet wurde.[18] Es lässt sich feststellen, dass sich zwischen den Konstruktionsphasen des Gebäudes und der in der Eyrbyggja Saga geschilderten Lebenszeit Þórólf Mosterskjeggs mindestens 50 Jahre befinden. Sind die archäologischen Ergebnisse korrekt, handelt es sich hier entweder nicht um den hof Þórólf Mosterskjeggs, oder die Datierungen  in der Saga weisen eklatante Fehler und/oder gänzlich fiktive Elemente auf. Auf die Problematik der Historizität der Saga hat Olsen bereits verwiesen. Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass es sich trotz der signifikanten Unstimmigkeiten bei dem untersuchten Objekt auf Hofstaðir um ein Gebäude mit mindestens zeitweilen sakraler Funktion handelte und die Schilderungen der Saga nicht völlig aus der Luft gegriffen sind.

In ihrem Artikel Bloody slaughter: ritual decapitation and display at the Viking sattlement of Hofstaðir, Iceland veröffentlichten Lucas und McGovern Untersuchungen an 23 Tierschädelfunden, welche auf Hofstaðir gemacht wurden. Diese Schädel stammten ihrer Konstitution nach von fast adulten bis erwachsenen Rindern in bestem Alter und Verfassung sowie von seinerzeit hohem finanziellen Wert. Die Tiere wurden gezielt mit harten Schlägen zwischen die Augen und gleichzeitigem Köpfen getötet, die Köpfe wurden den Fundorten nach zu urteilen auf dem südlichen West- und Ostdach, oder den dortigen Torfwänden platziert. Lucas und McGovern argumentierten, dass die Schädelfunde dieser hochwertigen Rinder, vermutlich in allererster Linie Bullen (sie verwiesen hier auf eine Parallele zu Adam von Bremens Opferschilderungen männlicher Lebewesen in Uppsala), keineswegs auf den Reichtum des Gehöfts hinweisen, sondern Hofstaðir ehr im Sinne einer Stätte für regelmäßige Gilden zu verstehen sei. Die Tiere stammten dann eben nicht vom eigenen Gehöft. Hinweise hierfür gäbe es nicht nur in der landwirtschafts- und wetterungünstigen aber wegzentralen Lage, sondern auch Evidenz in den archäologischen Funden, welche weder Kriegswaffen, repräsentative Münzfunde noch Keramik und Importgegenstände vom Kontinent aufweisen, stattdessen aber Kleiderreste, Körperschmuck und Messer beinhalten. Daher sei eine Interpretation als permanenter Häuptlingssitz unplausibel, vergleiche man es mit anderen politischen Zentren der Völkerwanderungs- und Vikingerzeit mit großen Langhauskonstruktionen. Es ist aber auch denkbar, so man der Eyrbyggja Saga einen gewissen Wahrheitsgehalt nicht gänzlich abspricht, dass mittels Tempelzoll die Finanzierung der Tiere realisiert wurde. Die Haltung, Schlachtung und Verköstigung der Opfertiere läge dann im Einklang mit der Darstellung in der Saga, die Finanzierung geschähe durch die Tempelbesucher. Noch ein weiteres Indiz zu rituellen Schlachtungen auf Hofstaðir ergab sich aus der Untersuchung der Schädelfrakturen und des rekonstruierten Tötungsablaufs:

If the axe-wielder was right handed, this means this person was probably standing to the right of the sacrificial animal. If the team got their timing right, the beheading stroke would produce a blood fountain as the animal’s heart would still be beating.[…] It is also a method less likely to damage cutting instruments, get bone splinters in the meat, or complicate the removal of the tongue and brains. In short, the cattle at Hofstaðir were butchered in a manner for maximum blood and drama, which is reinforced by the conspicuous display of the heads.[19]

Die Dramatik des Schlachtvorgangs und der akzeptierte Verlust solch hochwertiger Tiere mag nur durch rituelle Tötung erklärbar bleiben. Den forensischen Untersuchungen und den verschieden starken Verwitterungsspuren konnte man entnehmen, dass die Tötungen in einigen Abständen zueinander geschahen und die Schädel, gemeinsam und wenigstens im Sommer außerhalb des Gebäudes aufbewahrt wurden, wobei besonderer Wert auf die gute Sichtbarkeit gelegt worden sein dürfte. Für eine solche Verwendung scheint ein Gebäude außerhalb eines sakralen Bedeutungsspektrums nur schwerlich verortbar zu sein. Dem rituellen Inhalt der Schädelaufbewahrung wird später in Bezug auf die stabkirchlichen Dachgiebelzierden noch größere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hinzugefügt sei hier allerdings noch, dass sich die rituellen Opferungen weder auf die gemachten Funde beschränken dürften, noch dass mit Sicherheit alles gefunden wäre, was für blót-Gilden Evidenz verspricht. Fest steht, dass die Datierungen mit dem Verlassen des hof in der Mitte des 11. Jahrhunderts schließen. Erst ab dem 14. Jahrhundert fanden wieder Nutzungen und Umbauten des Gebäudekomplexes statt. In unmittelbarer Nähe entstand jedoch eine Kirchenkapelle, und zwar zeitgleich mit der Niederlegung der Aktivitäten auf Hofstaðirs Gildesaal. Es scheint nur folgerichtig, dass mit der Christianisierung der Menschen nicht nur den alten Riten abgeschworen wurde, sondern die damit identifizierten Gebäude häufig verlassen oder zerstört wurden. Trotz vieler Ungereimtheiten in Hinblick auf die Eyrbyggja Saga, finden sich doch einige Übereinstimmungen mit dem archäologischen Material, sei es das afhús, dessen Inhalt leider nicht mehr rekonstruierbar erscheint, die durch die Opfertiere durchaus glaubhafte Darstellung der hof-Verwaltung, der Name und die Bedeutung des Ortes. Gänzlich in Frage zu stellen sind entweder Þórólf Mosterskjegg selbst, seine zeitliche Einordnung, oder die Verortung seiner Ansiedelung. Hier bleiben weitere Untersuchungen abzuwarten. Die Darstellung des Gebäudes in der Saga ist natürlich unvollständig, jedoch lässt sich nicht erschließen, welcher Bauphase entsprechend mögliche Schilderungen dem Verfasser zu Grunde lagen. Dass es sich bei dem Gebäude auf Hofstaðir um einen heidischen hof handelt, und jener kultischer Verwendung unterstand, steht jedoch außer Frage.

Wenden wir uns nun einem anderen, zu Zeiten seiner Existenz ebenfalls berühmten hof zu. Wie bereits angedeutet, rumort ein steter Glaube der Errichtung von Kirchen auf heidnische Kultplätze als klarer Abschluss missionarischer Okkupation durch Köpfe und Medien. Dem entgegen fanden sich bisher beinah nirgends Beweise für eine explizite Überbauung insbesondere heidnischer Gebäude durch kirchliche Architektur. Eine Ausnahme stellt hier der einstige hof zu Mære dar. Von den Opferfesten zu Mære wird im Zuge Håkon Adalsteinsfostres Demütigung seitens der regionsansässigen heidnischen Bevölkerung berichtet.

Nicht zum ersten Mal zwangen ihn die Bauern zum blót. Nach seinem Versuch, die Trönder auf dem Frostating zum Christentum via Befehl zu konvertieren, hatte er sich nicht nur die Sympathien der vorstehenden Großbauern verspielt, sie nötigten ihn sogar zur Teilnahme am Opferfest nebst Opferschmaus zu Lade im darauf folgenden Jahr. Hier kam er noch nach dem ertappten Versuch, den ihm gereichten Opfertrank þullr mit einem Kreuz zu weihen, durch die Hilfe Sigurd Jarls davon: “Kongen gjorde som enhver, der tror på sin kraft og styrke, og tilegnede sit bæger til Tor. Han gjorde hammertegn over det, før han drak.“[20] Auch dass der König die absolute Demütigung abwandte, in dem er das Opferfleisch verschmähte, endete für ihn beinah in einer Katastrophe. Im folgenden Winter wiederholte sich das Spiel, diesmal jedoch in Mære und ohne dass er den þullr und das Pferdefleisch hätte verweigern oder manipulieren können. König Håkon verwarf letzten Endes seine Pläne einer Christianisierung des Trøndelag. Von einem hof oder einem sakralen Gebäude hört man hier allerdings noch nichts.

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Peter Nicolai Arbo., 19. Jahrhundert: Kong Håkon og bønderne på Mæren.

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Sein Nachfolger Olav Tryggvasson ging nun nicht nur brutaler, sondern auch geschickter zu Werke, als ihn die Bauern in Folge seiner Postulate auf dem Frostating gleich Håkon versuchten zum blót zu zwingen:

Da sier kongen at han vil gå til hovet og se skikkene deres når de bloter. Det likte bøndene godt og begge flokkene fór til hovet. Nu går kong Olav inn i hovet med nogen få av sine menn og nogen få av bøndene; men da kongen kom dit gudene var, så satt Tor der og var mest æret av alle gudene og var prydet med gull og sølv. Kong Olav løftet da op en gullslått øksestav, han hadde i hånden, og slo til Tor så han falt av stallen; siden løp kongsmennene til og skjøv alle gudene ned fra stallene; men mens kongen var inne i hovet, blev Jarnskjegge drept utenfor hovsdøren, og det gjorde kongsmennene.[1]

Hier stellt sich deckungsgleich zu den vorangegangen Schilderungen der hof als ein Objekt dar, welches betretbar war und die Sicht nach außen verbarg. Ob es sich hier um ein Gebäude handelt und welche Konstruktion zugrunde liegt, ist nicht zu lesen. Außer der Existenz eines stallr und aufgestellter Götterbilder, von denen Thor als bevorzugt verehrt und entsprechend kostbar geschmückt wurde, erfährt man nichts. Auch über einen Abriss der Konstruktion ist nichts zu hören, was ja nur eine logische Konsequenz gewesen wäre, hätte es sich überhaupt um ein Gebäude bzw. eines mit ausschließlich sakraler Funktion gehandelt. Man darf annehmen, dass Snorri und seine Quellen darüber entweder nichts wussten, Tryggvasson hier keine entsprechend konsequente Hand anlegte, wie er es hingegen zu Lade tat, oder können in Frage stellen, ob es überhaupt ein Gebäude gab, dass einem hof entsprach so wie wir ihn auf Hofstaðir vorfinden. Einen weiteren Verweis von blót-Aktivitäten zu Mære erhalten wir bei Olaf II. Haraldsson. Dass die Bekehrung der Trönder seitens Olav Tryggvasson nicht von Nachhaltigkeit geprägt war, dürfte wenig überraschen. So erfährt König Olaf II. von großen midvinterblót der ansässigen Bevölkerung. Als ihm einer der Bauern Rede und Antwort stehen soll, erzählt ihm jener: “paa Mæren er en stor hovedgaard og store huser, men stor bygd rundtom; der finder folk en glæde i at drikke mange sammen“.[2] Bei Olafs II. späterer Strafexpedition nach Mære wird alles Wertvolle aus den Häusern geräumt und unter seinen Leuten verteilt, die hergeführten Speisen auf seine Schiffe verladen. Auch hier ist weder von einem Heiligtum, einem explizit sakralem Gebäude, noch von Götterbildern, noch von dem hof überhaupt die Rede. Im Gegenteil wird von mehreren Häusern gesprochen, kein explizites Einzelgebäude oder ähnliches findet Erwähnung. Man muss sich also fragen, ob der hof zu Mære als solcher zu dieser Zeit noch existierte, ob es nicht ein so gewöhnliches Gebäude war, welches neben den anderen zu wenig bis gar nicht hervorstach und daher weder eines Kommentars noch einer aktiven Vernichtung würdig war, oder ob es je ein Gebäude gegeben hat, welches durch die Bezeichnung hof zutreffend geschildert wäre. Eine weitere Frage bleibt im Raume, nämlich ob so nicht jedes Gebäude versus Gebilde die Bezeichnung hof hätte tragen können. Findet sich überhaupt ein konstruktivistisches distinktives Merkmal, von welchem man mehr als nur die Nutzung der Gebäude zu Opferfesten als Definitionsgrundlage erwarten kann? Aus welchem Grund hat es einer expliziten Erwähnung des hof zu Mære bei Olav Tryggvasson bedurft, bei Olaf II. Haraldsson hingegen nicht? “Tolv mænd er det, som forestaar blotgilderne, og nu i vaar skal Ålve holde gjestebudet oppe; han har nu meget stræv paa Mæren, og did er flyttet al kost, som trænges til at holde gildet.” [3]

Das Abhalten der Opfergilden beinhaltete keinesfalls die Notwendigkeit eines eigens dafür errichteten Gebäudes und war ebenso gut in den vorhandenen Wohn- und Festhäusern denkbar, welche durch ihre Nutzungspriorität ja nicht mit dem heidnischen Kult an sich identifiziert wurden. Hätte man nicht Götterbilder oder anderes Inventar in der Olaf II. Saga erwarten können? So es keine Götterbilder mehr gab, brauchten auch keine der Zerstörung ausgesetzt werden. Hätte hingegen ein explizit sakral konnotiertes Gebäude bestanden, wäre die Annahme keinesfalls abwegig, dass nach der Wiederaufnahme der Opferfeste sicher auch neue Abbilder und ein stallr errichtet worden wären, da eine profane Weiternutzung jenes Gebäudes schwerlich vorstellbar erscheint. Zwar kann man aus dem Mangel an Berichten hierüber nicht automatisch auf deren Abwesenheit schließen, dennoch darf man sich fragen, warum nun Snorri ausgerechnet an dieser Stelle deren exemplarische Zerstörung nicht hätte erwähnen wollen. Hat der bei Olav Tryggvasson genannte hof zu Mære noch existiert, so muss entweder davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um etwas gehandelt hat, welches genügend Profanität aufwies, um von Olaf II. unbeachtet zu bleiben. Bei einem  ausschließlich sakral behafteten Gebäude hingegen gäbe es wohl noch die Vermutung, dass jenes stehen blieb, um als eines der enteigneten Güter weiterhin nutzbar zur Verfügung zu stehen und allein deshalb durch Snorri keine erneute Erwähnung fand, weil er über die Fortnutzung entweder nicht zu berichten vermochte oder es Olaf II. Rufes zu Gunsten nicht wollte. Wenn ohne Götterbilder das Gebäude jedoch einfach nur eine Halle gleich vieler anderen Gebäude war und eventuell noch andere Funktionen zusätzlich erfüllte, also das Gebäude die Bezeichnung hof nur über die Dauer seiner (co-)sakralen Verwendung trug, lässt sich verstehen, weshalb in den Sagas weder von Destruktion die Rede, noch eben eine deutlichere Gebäudebeschreibung enthalten ist. Dass dies jedoch nicht bedeutet, dass ein hof nicht auch ausschließlich einer sakralen Funktion zugeführt werden konnte, zeigen die Beispiele Lade und Hofstaðir, bei welchen die literarischen Elemente auftreten, die man bei den Schilderungen um Mære zu vermissen meint. Komplizierter wird es, wenn man sich fragt, ob es nicht Usus war, einen hof für die norwegischen Konstruktionen zu implizieren, da man ihn wenigstens auf Island nachzuvollziehen meinte und deshalb allgemein sakrale Gebäude, welche einst nicht typischerweise einer Langhauskonstruktion entsprachen, schlicht aus Unkenntnis dieser Bezeichnung zuführte. Hierzu waren besonders jene Schilderungen geeignet, in welcher der vermeintliche hof im norwegischen Mutterland abgebaut und ganz, oder mindestens relevante Teile auf die Fahrt gen Island mitgeführt wurden: “Þórhaddr inn gamli var hofgoði í Þrándheimi á Mæri. Hann fýstist til Íslands ok tók áðr ofan hofit ok hafði með sér hofsmoldina ok súlurnar“[4] Es existiert jedenfalls bis jetzt keinerlei konstruktivistische und archäologische Evidenz, was den norwegischen hof zweifelsfrei als solchen identifiziert.

Mære_kirke_001

Die Kirche zu Mære: Unter ihr fand man bei Ausgrabungen 1966/ 1967 Hinweise auf mindestens ein heidnisches Kultgebäude.

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In den Jahren 1966 und 1967 fanden unter der heutigen Kirche zu Mære Ausgrabungen unter der Leitung von Hans Emil Lidén statt. Er sah hier aufgrund der günstigen Umstände die Möglichkeit gegeben, zu prüfen, inwieweit tatsächlich heidnische Architektur durch christliche Bauwerke überdeckt worden waren. Lidén fand unter der Kirche nicht nur die Reste einer alten, vermutlich sogar der ersten Holzkirche am Ort, sondern darunter auch Spuren zweier Konstruktionen mit einer Historie bis in die Völkerwanderungszeit zurück reichend. Eines dieser einstigen Gebäude datierte Lidén in die Vikingerzeit. “The form of   this building, its size and orientation remain completely unknown. The only real trace of a structure which can be ascribed with any certainty to it is a 1.8m long trench running east west, which must be the vestiges of a palisade type wall dug into the ground[…]”[1] In Hinblick auf Spuren heidnischer Kulthandlungen wurden, neben einer großen Anzahl von sowohl Wild- als auch Haustierknochen (man denke hierbei an die Funde unter der Kirche von Frösö), 19 Gullgubber d.h. geprägte Goldplättchen, denen auf Grund ihrer Darstellungen von diversen Figuren und Symboliken weitestgehend sakrale Funktionen beigemessen werden. Lidén formulierte die Möglichkeit, jene stünden gemäß ihrer Abbildungen in Verbindung mit Freyr und Gerd, verwies gleichsam auf Magnus Olsen welcher in Mære ein einstiges Zentrum der Freyr Verehrung vermutete. Die Schilderungen in der Olaf Tryggvassons Saga, welche seinerzeit den Thor als in Mære meistverehrten Gott darstellen, stehen dem nicht zwangsläufig entgegen. Neben der Ausgeschlossenheit dauerhafter mobiler Verwendung (die Gullgubber sind bei ihrer Größe von rund 1-1,4 Quadratzentimeter und aufgrund ihres weichen Metalls zu schadanfällig) machte er auf die Fundposition aufmerksam und sah deren Verwendung somit als reine Opfergegenstände, zum Vergraben prädestiniert. Schaut man auf die Funde von Helgö und Uppåkra, sind die Fundorte sicher nicht als zufällig äquivalent zu betrachten, denn Pfostenlöcher und Wandnähe als Ablagestelle traten auch hier auf. Inzwischen können sie als charakteristisch angesehen werden, ja dies führte grade dazu, Gebäude mit Gullgubber-Funden als kultbezogen zu identifizieren. Bei den Pfostenlöchern verwies Lidén auf eine mögliche Verbindung zu Hochsitzsockeln, welche in Festhallen und Häuptlingsgebäuden zu verorten seien. Dennoch lässt sich hieraus noch kein sicherer Schluss für eine übliche Hallenkonstruktion gewinnen, wie sie für den hof ja angenommen werden dürfte. Einen Hinweis auf das Problem ist in einer möglichen Verwendungskontinuität des Gebäudes bis ins Christentum zu finden. “If this church is identical with the gold plaquettes building, this building must have had a double function, first as a pagan and later as a Christian cult building.”[2] Auch Riksantikvar Erik Schia kam zu einem ganz ähnlichen Schluss:

Vi har riktignok rester efter en stolpebygget trekirke, men skal vi regne Olav den hellige som dens byggmester, må kirken ha stått i ca. 150 år og det er lenge for en bygning med jordgravete stolper. Etter all sannsynlighet er derfor denne kirken reist endel år efter helgenkongens død, og den rimeligste tolkning av det arkeologiske materiale, blir derfor at det opprinnelig hedenske kulthuset har stått et godt stykke inn i 1000 årene som kirke, og at det så direkte avløses av stolpekirken.[3]

Sollte diese These zutreffen, wäre die Struktur des Gebäudes von der eines Langhauses gewiss different. Man müsste eine andere Struktur dem vermeintlichen hof gleichsetzen, oder überhaupt die Frage stellen, was den hof von anderen Bauformen unterscheidet, und ob nicht dieser Begriff, wie bereits gesagt zumindest für Norwegen synonym verwendet worden ist. Olsen lehnte die Verknüpfung von einem hof und der Holzkirche zu Mære als unplausibel ab. Der hof stehe ausschließlich in Verbindung mit einer Festhalle, hingegen sei bei der Verknüpfung von heidnischem Kultgebäude und der Holzkirche dann von einem Tempelbau im Sinne des hǫrgr auszugehen. Trifft jenes zu, sind die doch in den Sagas deckungsgleichen Bezeichnungen des Gebäudes mindestens im Fall Mære inkorrekt bis falsch, wenn es sich bei diesem um das den Grabungsfunden zuzuordnende Gebäude handelt, woran man jedoch nicht zu zweifeln braucht. Allerdings wurden eben keine Spuren vergleichbarer Konstruktionselemente gefunden, wie sie später beim vermeintlichen hǫrgr noch betrachten werden sollen.

Haltdalen Stave Church

Die Stabkirche zu Haltdalen: Eine ganz ähnliche Form darf für die gefundene Holzkirche unter der Steinkirche zu Mære angenommen werden.

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Zum Fall Mære lässt sich abschließend sagen, dass nach den Ausgrabungen wohl kaum Zweifel an der einstmaligen Benutzung des Ortes zu heidnisch kultischen Zwecken bestehen bleiben werden. Die konstruktivistischen Hinweise sind hingegen zu gering, als dass sich hieraus eine klare Herleitung der Bausubstanz schlussfolgern ließe. Die Vermutung, die erste kirchliche Einrichtung am Ort könne in ihrer ursprünglichen Bestimmung und Verwendung ein eigentlich heidnisches Tempelgebäude gewesen sein, bedarf weiterer archäologischer Hinweise. Die Frage, in wieweit wir den Schilderungen der Sagas bezüglich ihrer Gebäude-bezeichnungen, besonders im lokalen Verhältnis Island und Norwegen Glauben schenken dürfen, kann man mit Verweis auf die gesunde Skepsis hier noch nicht abschließend beantworten. Folgen wir weiter dem Wink auf sakrale Kontinuität im Bauwerk, in dem wir uns nun zu der anderen Form hinwenden, welche für Mære ebenso in Frage käme.

Lidéns Vermutung, die Gräber, welche unter den Spuren der Holzkirche gefunden wurden und somit den älteren Gebäuden beziehungsweise einem Vorgänger der ausgegrabenen Holzkirche zuzuordnen seien, fand ein plausibles Argument. Gräber, welche in direkter Umgebung zu den gefundenen Gebäudestrukturen errichtet wurden, stünden klar in Bezug zum christlichen Brauchtum. Daher könne man schlussfolgern, dass das Gebäude, dessen Spuren unter der einstigen Holzkirche gefunden wurden, entweder selbst eine Kirche gewesen, oder als Kirche gedient hätte. Dies wiederum erkläre in Konsequenz die Errichtung der folgenden Kirchenbauten am Platz. Es ist nun keinesfalls auszuschließen, dass nicht nur das erste kirchlich genutzte Gebäude selbst durch eine neue Holzkirche ersetzt wurde, sondern die Konstruktion von letzterem grundsätzliche Ähnlichkeiten mit seinem Vorgänger gehabt haben kann. Wie schon erwähnt, gibt es gute Gründe davon abzusehen, dass der hof für diese Funktion in Frage kam, möchte man ihm ein anderes Bauwerk, die Halle salr; skáli zugrunde legen.

In all, 14 postholes belonging to the wooden church were found, which enables its shape and size to be reconstructed almost exactly. […] The nave was approximately 10.5 m long and      6.5 m wide with the chancel approx. 3.5 x 3.5 m. […] No inner posts carrying the weight of the roof could be traced. […] The wooden church at Mære must therefore have been a framed construction with posts taking the weight of the roof and with lighter walls between the posts.[1]

Bei der bezeugten Holzkirche handelte es sich also um einen rechteckigen Stabbau, dessen Pfosten in die Erde eingelassen wurden und an den ein Chor oder eine Kanzel angeschlossen war. Diese Konstruktionsform stellt die älteste und auch die einfachste Form der skandinavischen Stabkirchen dar. Um zu verstehen, ob und welchen Bezug diese Konstruktion zu der anderen Form des nordisch heidnischen Kultgebäudes hǫrgr hatte, muss man sich diesen genauer anschauen. Jenem lässt sich keine profane oder co-profane Verwendung unterstellen, ganz entgegen dem hof, für welchen dieses Nutzungsobliegen nun entstehungsbedingt ganz entscheidend ist, wenn auch im Gebrauchsverlauf wie bereits festgestellt, keinesfalls obligatorisch erscheint.

Hittusk æsir
á Iðavelli,
þeir er hörg ok hof
hátimbruðu;
afla lögðu,
auð smíðuðu,
tangir skópu

ok tól gerðu.[2]

Der hǫrgr darf in seiner ursprünglichsten Form als natürliche Erhöhung, Felsvorsprung, Steinhaufen, oder auch Opferstein verstanden werden, welcher sich im Freien befand. Laut De Vries und Magnus Olsen war der hǫrgr ein allgemein germanisches Phänomen, welches sich bis nach Skandinavien erstreckte. Hierbei fand jener, gleich anderer Kultstätten, ebenso seinen Niederschlag in Ortsnamen, in welchen er explizit in Norwegen wiederum durch das Aufkommen des hof in späterer Zeit verdrängt oder ersetzt worden sei.[3] Der hǫrgr dürfte hier im Sinne eines funktionalen Kultelementes somit als älter einzustufen sein. Als ein archäologisch mögliches Beispiel für einen hǫrgr wurde ein Fund aus der späten Eisenzeit in Sokndal, Rogaland aufgeführt.

På Rossland står det fremdeles et stort steinbord eller steinalter. Konstruksjonen er en stor blokk på over et tonn som er lagt på to sokler av opplødde steiner. Denne konstruksjonen kan være et av svært få eksempler på et horg. Etymologisk har dette ordet sammenheng med en steinsetting eller fjelltopp. Innenfor en religiøs praksis var horget en hellig plass uten bygninger, og hvor det i tillegg til steinalter kunne være gudebilder (Steinsland & Meulengracht Sørensen 1994: 79). I nyere tid ble konstruksjonen kalt Alteret eller Skammelen, og ifølge tradisjonen skal det ha blitt brukt i forbindelse med ofring til Frøy.[4]

Hinweise für die Identifikation mit einem Opferstein finden sich auch im Hyndluljóð: “ Hörg hann mér gerði hlaðinn steinum […]“[5]. Olaf Olsen bemerkte die Erwähnung eines heargtrafum, also hǫrgr-Zeltes im Beowulf Epos und sah darin eine möglicherweise erste Quelle für einen überdeckten hǫrgr.[6] Wie Eingangs in der Völuspá findet sich dann auch in Grimnismál 16 die Rede von Njörðrs hátimbruðum hörgi[7]. Es stellt sich jener also hochgezimmert, d.h. als heilige Stätte mit einer vermutlich künstlichen Konstruktion, wolle man es wortwörtlich nehmen, mit einer komplexeren Baustruktur als ein Steinhaufen dar. Man erfährt jedoch nichts darüber, um welche Art von Bausubstanz es sich handelt, noch, um welche Form des Objekts. Auch verwies Olsen zu Recht auf den Umstand, dass man in den angegebenen Edda-Zitaten keine Evidenz für etwaige baustrukturelle Herleitungen sehen brauche, da es sich eben um Götterwohnstätten handele, welche ja einem gewissen Geltungsanspruch genüge zu tragen hätten. Allerdings lässt sich auch nicht ausschließen, dass solche Wohnstätten im Rahmen ihrer bisher bekannten, äußerst dürftigen Darstellungen, so sie ein bauliches Äquivalent mit entsprechender Kontinuität im Kult fanden, durchaus nach eben diesem skizziert worden sein könnten. Archäologische Evidenz für die Existenz des hǫrgr als dem hof differentes Gebäude und Zeugnisse seiner Baustruktur findet sich dennoch. Dass die Zuordnung der Begrifflichkeit selbst derzeit noch bis zu einem gewissen Grad spekulativ ist, sei nun noch einmal ins Gedächtnis gerufen.

Während der Bauarbeiten für eine neue Wohnsiedlung im Süd-Tröndelager Ort Ranheim entdeckten Bauarbeiter im Jahre 2010 Reste einer mutmaßlichen Grabanlage. Bei den darauf folgenden Ausgrabungen unter der Leitung der Norges teknisk-naturvitenskapelige Universitet (NTNU) Trondheim fand man die bislang einzige und vollständig rekonstruierbare heidnische Kultanlage Norwegens. Die Anlage von Ranheim wurde als Heiligtum identifiziert, welches einstmals wiederum aus drei begrifflich dem hǫrgr zuzuordnenden Steinsetzungen, einem vermutlichen Prozessionsweg und einem Gebäude bestand, dass als hof bezeichnet wurde.

Bygningen var en etskibet bygning, rektangulær i plan, 5, 3 m langt og 4, 5 m bredt. Stolperne stod meget præcist, med en indbyrdes afstand tæt på 1,8 m. De fire vægge var sat symmetrisk af fire hjørnestolper og to stolper på siden mellem hvert hjørne – i alt 12 stolper. Alle stolperne som tilhørte huset havde en kraftig stenskoning.[8]

Das kleine Gebäude war eine Stabkonstruktion und sei mangels Feuerstellen sowie aufgrund der eigenartigen Konstruktion sicher kein Wohngebäude gewesen. Man ging davon aus, dass der Stabbau aufgrund seiner massiven Bauweise eine hohe Dachkonstruktion besessen habe, welche in Anbetracht der kleinen Grundfläche sicher einen optisch herausragenden Effekt erzielte und sich von den gewöhnlichen Gebäuden deutlich unterschied. Von Prunk muss dabei jedoch nicht die Rede sein. Im Gegenteil, die Anlage sei auch auf Grund ihrer Einfachheit historisch bedeutsam, denn es handelte sich offensichtlich nicht um einen Häuptlingssitz oder Teilkomplex eines Großhofes. Innerhalb der einstigen Wände befanden sich vier weitere  Pfahllöcher, welche jedoch entweder nicht dem Gebäude selbst zuzuordnen waren oder zumindest keine tragende Funktion hatten. Preben Rønne sah die Möglichkeit gegeben, dass es sich hier um den Standort der Pfahlgötzen trémenn gehandelt habe. In der Mitte des Gebäudes befanden sich desweiteren eine Eingrabung sowie ein Stein mit ebener Oberfläche, wobei auf eine mögliche Verbindung mit dem stallr aufmerksam gemacht wurde.

Das als großer hǫrgr identifizierte Steingebilde auf dem Gelände war aus einer kreisförmigen Steinsetzung mit 15 Meter Durchmesser, knapp einen Meter hoch und bisweilen mit Quarz ausgestaltet. Desweiteren war er mit einer holzverschalten Vertiefung ca. 1,3 x 1 Meter und 55cm Tiefe in der Mitte versehen, worin sich Steinreste für eine kleine Feuerstelle oder Kochstelle befanden, sowie 1,5kg verbrannte Knochenreste von Tieren, im weiteren Menschenzähne. Unter dem Zentrum der Steinsetzung fanden sich Ansammlungen von Holzkohleresten sowie die Überreste menschlicher Knochen, vermutlich von einstigen Brandbestattungen zurückreichend bis in die Jahre 500 bis 400 v. Chr. Die Funde menschlicher Ausstattung beschränkten sich insgesamt auf die Reste einer Kleidernadel, sowie zweier Glasperlen. Weiter wurde eine Parallelsteinsetzung  von rund 25 Meter Länge und 15 Metern Breite gefunden, welche als Prozessionsweg gedient haben mag.[9] Was interessanter Weise nicht vorhanden war, war eine Gildehalle skáli, in welcher Opfergilden gehalten werden konnten. Man darf annehmen, dass im Falle eines solchen Brauchtums, jene andernorts abgehalten, oder vor Ort im Freien begangen wurden. Das gefundene Gebäude war in jedem Falle nicht dazu geeignet Festgilden, wie es der hof hingegen vermochte, unterzubringen.

Im Bericht des NTNU findet sich für das Gebäude die stete Identifikation mit dem hof. Dieser Schluss ist in sofern naheliegend, als das andere Objekte die anderen Bezeichnungen bereits für sich beanspruchen, so die Steinkreissetzung eben mit einem hǫrgr identifiziert wird. Dass man in der Saga Literatur, vor allem aber in der Landnámabók Hinweise auf Gebäude mit der Bezeichnung hof findet, deren Besitzerherkunft und ursprünglicher Standort im Trøndelag geschildert wird, braucht aber, wie bereits im Fall Mære deutlich geworden ist, nicht zwangsläufig der eigentlichen Begrifflichkeit des Gebäudes zu entsprechen. Es gibt gute Gründe sich zu fragen, ob diese Bezeichnung nicht ein späterer Schluss gewesen ist, oder ob nach dem Wiederaufbau in Island sich die Form des einstigen Gebäudes, auf Grund von lokal differenten Bauressourcen nicht grundlegend geändert hatte. Für den isländischen hof ist bisweilen jedenfalls keine mit dem Gebäude von Ranheim identische kultbezogene Bausubstanz gefunden worden. Man könnte nun geneigt sein eine Verbindung zum afhús des hof zu Hofstaðir anzunehmen. Aber das ist sicher eine zu gewagte Verknüpfung, da es sich weder um eine Stabkonstruktion, noch um ein separates, hochgezimmertes Gebäude handelt. Eine plausiblere Möglichkeit bietet die Identifikation mit einem Götterhaus góðahús oder blóthús. “Bland forntyska glosor återfinner man uttryck som plôzhûs, “blothus“, och apkutiohûs, “avgudahus“, som antyder en förekomst av mindre byggnader där gudabilder inhystes.”[10] Es darf angenommen werden, dass das Objekt von Ranheim ein Schicksal erfuhr, wie es auch bei anderen vorchristlichen Kulthäusern in den mittelalterlichen Quellen Erwähnung fand. Diese Annahme ist der Tatsache zu schulden, dass es offensichtlich abgetragen und das Gelände anschließend dick mit Erde verfüllt wurde. Das Heiligtum wurde also nicht zerstört, sondern sorgfältig abgebaut, ganz gleich den Schilderungen in der Landnámabók und der Eyrbyggjasaga. Insgesamt kann für das Gelände des von Ranheim eine Nutzungsdauer von bis zu 1500 Jahren veranschlagt werden, wobei die jüngsten C14 Datierungen des Kultgebäudes auf einen Gebrauch dessen zwischen  895 n. Chr. und 990 n. Chr. schließen lassen.[11]

Ein zweiter der bedeutendsten Funde kultischer Architektur, bei welchem es sich ebenfalls um eine Stabkonstruktion handelt, ist das Kultgebäude von Uppåkra in Skåne, Schweden. Wie auch das von Ranheim, ist dies in keinen bekannten mittelalterlichen Quellen bezeugt.

Das Gebäude bestand einst aus einer rechteckigen Grundform mit konvexen Seitenwänden von 13,5 Metern Länge und 6 Metern Breite. Es waren während der Ausgrabung deutlich die Pfahllöcher rekonstruierbar, welche auf Pfahlstärken von 70cm schließen ließen und welche zwei Meter tief in den Boden reichten. Insgesamt wurden vier Pfahllöcher im Inneren sowie jeweils ein Pfahllöcherpaar an den Ecken des Gebäudes gefunden, welche die gleiche Größe aufwiesen. Die Pfähle hatten klar erkennbar eine dachtragende Funktion. Larsson schloss, dass aufgrund der zusätzlich gemachten Funde das Gebäude über eine Dauer von rund 600 Jahren bis in die frühe Vikingerzeit in Gebrauch gewesen sein muss. Über die Erscheinung des Gebäudes äußerte Larsson sich folgendermaßen:

Its tall structure and numerous ornamented finds suggest an elaborate timber cult house. This is the first Scandinavian building for which the term ‘temple’ can be justly claimed and it is already sign-posting new directions for the early middle ages in northern Europe.[…] Subsequent excavation revealed a very complex sequence of layers, suggesting that a high timbered building, with a stave-wall structure, had been built and rebuilt in sevenmajor phases.[12]

Das Gebäude besaß drei Eingänge, wobei zwei in südlicher und einer in Nordrichtung gelegen waren. In der Mitte fand sich eine Feuerstätte, wobei für einige Zeiten die Nutzung weiterer konstatiert werden konnte. Von besonderer Bedeutung jedoch waren die Funde innerhalb und um das Gebäude, welche auf dessen seinerzeitige Verwendung ein zweifelsfreies Licht warfen. Ganze 111 Gullgubber wurden gefunden mit männlichen und weiblichen Motiven aber auch Abbildungen von Paaren, einige davon waren deckungsgleich mit den Gullgubber-Funden von Sorte Muld. Wie bereits im Falle Ranheim erwähnt, kann man bei solchen Funden in Verbindung mit Gebäudespuren einen sakralen Bezug des Gebäudes kaum noch ausschließen, insbesondere wenn sich jene Goldplättchen explizit in Pfahllöchern finden, wie es auch in Uppåkra der Fall ist. Weiter umfasste der Fundbestand einen filigran verarbeiteten Becher aus Silber mit umschließenden Tierornamentik-Inlays aus Gold, dessen Herkunft regionaler Art sein könne, sowie einer Glasschale, welche aus der Schwarzmeer-Region stammte. Weiterhin waren umfangreich Waffen mit unbrauchbar gemachten Klingen, also Speerblättern und Pfeilspitzen, sowie Schildbuckel in zwei Gruben nördlich und südlich des Gebäudes als Opfergaben verscharrt. Die Anzahl an Waffen reichte über mehrere hundert Gegenstände und war begleitet von Menschen und Tierknochen. Der Zeitrahmen der Niederlegungen reichte von der römischen Eisen- bis in die frühe Vikingerzeit. Als besonderes Fundstück dürfte eine bronzene, mit einem Silberinlay verzierte Helmbraue eines sicher einst aufwändig gearbeiteten Schutzhelmes gelten, welche in der südlichen Niederlegung gefunden und in die Merowingerzeit datiert wurde. Westlich des Gebäudes fand man eine vermutlich einstige Siedestelle mit Knochenresten, sowie weitere Gebäudespuren im Langhausstil, wobei sich in einer der Grundstrukturen ein Goldbrakteat befand, welches nach Einschätzung Larssons die kultische Importanz der Anlage unterstreiche.[13] Alles in allem stellt sich, neben der Dichte an Funden rituell motivierter Hinterlassenschaften als Verifikation, dieser einstige Kultort mit einem vor Ort außergewöhnlichen Gebäude und jenes mit ebenso beeindruckender Nutzungsdauer dar. Von den anderen Gebäuden wurde eines als einstmals mögliche Festhalle identifiziert, wobei sich jene eben konstruktivistisch deutlich unterscheidet. Hier handelte es sich nämlich um ein Langhaus, ganz entgegen dem imposant hochgebauten Stabgebäude mit dagegen sichtlich kleinerer Grundfläche. Da Halle und das Kultgebäude nebeneinander existierten, darf man von klar unterschiedlichen Funktionen ausgehen, was verdeutlicht, dass diese Halle sicherlich etwas näher am Gesellschaftlichen als am Göttlichen im Rahmen ihrer Nutzungsgewichtung stand, d.h. eher der Gilde, als der Götterbildverehrung zuzurechnen sein dürfte. Sicherlich gehörte sie aber keinesfalls vorrangig ins Reich des Profanen, wie es natürlich auch ausgeschlossen unsinnig wäre die Gilde selbst überhaupt vom religiösen Ritus trennen zu wollen.


The_tempel_of_Uppakra_Sweden

Rekonstruktionsversuche des Kultgebäudes von Uppåkra, Schweden. Sven Rosborn. 2006.

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Die Gebäude von Ranheim und Uppåkra weisen in ihrem Aufbau nicht nur ganz eindeutig verwandte Grundformen auf, welche vom Typ Langhaus sich durch ihre rechteckigen Grundflächen vom leicht konvexen, langgezogenen Wandverlauf der Halle skáli bzw. salr, oder den semantisch verifizierbaren und plausiblen hof wie zum Beispiel auf Hofstaðir unterscheiden.[1] Man kann auch davon ausgehen, dass ihre imposante Bauform, so sie als für diese Gebäude und eine ihnen zuzurechnende exklusive Nutzungsobliegenheit als seinerzeit typisch zu erachten ist, ihren Niederschlag in eben jenen Schilderungen gefunden hat, in denen vom hochgezimmerten hǫrgr die Rede ist. Eine weitere Quelle mochte man in den Schilderungen Adam von Bremes über den Tempel von Uppsala sehen, welche ohne die bisher fehlende archäologische Verifikation, jedoch weiterhin mit größten Vorbehalten zu betrachten sind. Jener übt sich in seinen Schilderungen gemäß der Tatsache, selbst nicht vor Ort gewesen zu sein, im Minimalismus des ihm zugetragenen:

Dieses Volk hat einen sehr berühmten Tempel, der Ubsola heißt und nicht weit von der Stadt Sictona liegt. In diesem Tempel, der ganz mit Gold geschmückt ist, betet das Volk die Bildsäulen dreier Götter an, und zwar so, daß der mächtigste von ihnen, Thor, mitten im Gemache seinen Thron hat; rechts und links sitzen Wodan und Fricco.[…] Jenen Tempel umgiebt eine goldene Kette, welche an dem Giebel des Gebäudes hängt und den Herankommenden weithin zublinkt, darum weil das Heiligthum selbst im Thale gelegen und ringsum wie ein Theater von Bergen umgeben ist.[2]

Hier wird weder etwas über die Gebäudestruktur ersichtlich, noch ob es ein hohes oder flaches Gebäude war. Auch das weithin sichtbare, zeugt seinem Wort zufolge nicht von einer hohen Stabkonstruktion, sondern von einer gut überschaubaren Lage im Tal und goldenen Verzierungen am Giebel. Ein erster Versuch jenen Tempel aus Funden unter der Kirche von Gamla Uppsala zu rekonstruieren, war jener von Sune Lindqvist in den Jahren 1921-29, welcher aber mehrfacher Kritik zufolge, von in Zweifel gezogen bis als unzureichend und schnellschlüssig formuliert gebrandmarkt, seiner Glaubwürdigkeit verlustig wurde. Zwischen 2003 und 2004 erfolgten Bodenradaruntersuchungen auf dem Gelände und innerhalb der Kirche, wobei zwar etliche Spuren von gebäudetypischen Bodenanomalien nachgewiesen werden konnten, jedoch brachten auch diese Untersuchungen in Bezug auf die Fragestellung der Tempelkonstruktion keine neuen Erkenntnisse zu Tage. Immerhin die unvollständigen Umrisse umliegender Gebäude und eines kreisförmigen Objektes, vielleicht ein Brunnen, oder eine Siedestelle, ließen sich aus den Befunden schlussfolgern. Daran ließen sich natürlich noch keinerlei Nutzungsverhältnisse rekonstruieren. Untersuchungsleiter Magnus Alkarp äußerte vorsichtige Vermutungen in Richtung einer einstigen kleinen Holzkirche.[3] In diesem Sinne ist also schlichtweg abzuwarten, welche Substanz künftige Ausgrabungen hier zum Vorschein bringen werden und ob es sich am Platz tatsächlich um den Standort des sicher berühmtesten skandinavisch-heidnischen Tempel spätmittelalterlicher Literatur handelt. Der Tempel zu Gamla Uppsala sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Seine Brisanz und Relevanz ist aber nach wie vor ungetrübt. Sollte sich einst nämlich eine ähnliche Konstruktion wie in Ranheim und Uppåkra zu Tage fördern lassen, wäre nicht nur der Verdacht einer Koexistenz zwei baulich völlig differenter Kultgebäude erhärtet, auch deren Verbreitung, Alter und differentes Nutzungsobliegen dürfte zunehmend schärfere Konturen erhalten.


Midvinterblot

Midvinterblot. nach Adam von Bremens Tempel zu Ubsola. Carl Larsson. Stockholm 1915.

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Es ließ sich zeigen, dass es mindestens zwei, im Wesentlichen verschiedende Formen religiös intendierter Bausubstanz gegeben hat, die langhäusliche Halle skáli, salr welcher nach unserer Definition mit dem heidnischen hof zu identifizieren ist, und die grundsätzlich stabbaubasierte, hochgezimmerte, um das einst freistehende Heiligtum herum gewachsene Baustruktur, welche hier gleich Olsen entgegen einiger Neudefinitionen mit hǫrgr assoziiert wurden. Dass Ranheim und Uppåkra nicht die einzigen Gebäude ihrer Art gewesen sein dürften, darf man in Anbetracht ihrer geographischen Verteilung, der Nutzungsdauer und der literarischen Hinweise, will man vor allem die genannten literarischen Erwähnungen nicht gänzlich Steinhaufen zuordnen, als durchaus plausibel betrachten. Ob sich diese Form hochragender Stabkonstruktion in kirchlichen Bauwerken späterer Zeit erhalten haben mag, ja ob gar jene eben erst zu ihrer so typischen Erscheinungsform führte, soll im Folgenden erörtert werden. Inwieweit sich somit heidnisches Baugut, und damit eben nicht profanes, sondern explizit kultisches zum Repräsentanten (spät-)mittelalterlicher Holzkirchenbaukultur in Norwegen entwickelte, also einen religiösen Synkretismus im Bauwerk selbst darstellt, sollte daher als Frage in den kommenden Abschnitten stets im Hinterkopf erhalten bleiben.

Brudeferd i Hardanger

Brudeferden i Hardanger. Adolph Tidemand und Hans Gude 1848. Im Hintergrund findet sich eine Stabkirche

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[1] Rückseitenetikette der Borg Pilsner Øl  Flaschen. Siehe auch: Eliassen, Sven G.: 140 år i Borg Bryggeriers historie. Sarpsborg 1995.

[3] Grimm, Jakob. Deutsche Mythologie. Göttingen 1844. S. 59 ff

[4] Saxo schreibt über die Vernichtung des Svantevitbildes: „Da det lakkede ad Aften, gav alle Kokkene sig til at slaa løs paa Gudebilledet med deres øxer og huggede den i saa smaa Stykker, at de var tjenlige til Brug paa Ildstederne.“ Saxo Grammaticus. Gesta Danorum. Liber XIV. Valdemar den Store. oversat av Fr. Winkel Horn. http://www.heimskringla.no.

[5] Anmerkung: Die Frage nach der tatsächlichen Sakralität dieser Gebäude wird uns später noch beschäftigen.

[6] siehe Gulatinglovet 29 um Blot. Blot er oss oc kviðiat at vér scolom eigi blota heiðit guð. ne hauga. ne horga[…]

[7] auch eine gezielte Abtrennung vom Profanen zum Heiligen ist mit der Gebäude-errichtung plausibel, wenn auch das bereits eine weitere Stufe zum Zaun um das eingehegte Heiligtum tún; vangr; u.U. auch  vé darstellt.

[8] Charlotte Fabech. Centrality in Old Norse mental landscapes. In: Andrén, Anders, Kristina Jennbert, Catharina Raudvere. Old Norse religion in long-term perspectives.Lund 2006. S. 29

[9] De Vries sieht auch in Hávamál 49 einen Hinweis auf die Bekleidung von Gottesfiguren im Tempel.

De Vries, Jan. Altgermanische Religionsgeschichte. Band II. Berlin u. Leipzig. 1937. S. 115.

[10] Færøyinga Saga S.101

[11] Eilersgaard Christensen, Lisbeth. Stednavne som kilde til yngre jernalders centralpladser. København 2010. S.63

[12] Ebd.

[13] Rafn, Carl Christian. Jomsvikinga Saga. København 1829.

[14] Sturluson, Snorri. Olav Tryggvessons saga. Gustav Storms oversettelse revidert av Alexander Bugge. Oslo 1929.

[15] Færøyinga Saga S.101

[16] Ebd.

[17] Sturluson, Snorri. Olav Tryggvessons saga. Gustav Storms oversettelse revidert av Alexander Bugge.  Oslo 1929.

[18] Charlotte Fabech. Centrality in Old Norse mental landscapes. In: Andrén, Anders, Kristina Jennbert, Catharina Raudvere. Old Norse religion in long-term perspectives.Lund 2006. S. 28

[19] Larsen, Thøger. Snorre den Godes saga eller Ørboer-saga. Selskabet til udgivelse af islandske Sagaer. København 1930.

[20] Ebd.

[21]Olsen, Olaf. Hørg, Hov og Kirke. København 1966. S. 184

[22] Olsen nennt hier: Roussell, Aage. Mårton Stenberger. 1943. S. 219 ff

[23] Ebd. S.193

[24] Lucas, Gavin. Hofstaðir 2002. Framvinduskýrslur/Interim Report. Reykjavík 2003.

[25] Lucas, Gavin, Thomas McGovern. Bloody slaughter: ritual decapitation and display at the Viking sattlement of Hofstaðir, Iceland. New York 2008. S. 23

[26] Sturluson, Snorri. Haakon den Godes Saga. oversat af Jesper Lauridsen. http://www.heimskringla.no. 2012.

[27] Sturluson, Snorri. Olav Tryggvessons saga. Gustav Storms oversettelse revidert av Alexander Bugge.  Oslo 1929.

[28] Sturluson, Snorri. Heimskringla. oversat af Gustav Storm. Kristiania 1900.

[29]  Ebd.

[30] Landnámabók. Oversat af Guðni Jónsson. Fjórði hluti. 6. Kapituli. http://www.heimskringla.no

[31] Lidén, Hans Emil. From Pagan Sanctuary to Christian Church The Excavation of Mære Church in Trøndelag. In: Norwegian Archeological Review Vol. 2. Oslo 1969. S. 9

[32] Ebd. S. 21

[33] Schia, Erik. Mære Kirke. In: Trondhjems Turistforeningen – Årbok 1968. Trondheim 1968.

[34] Lidén, Hans Emil. From Pagan Sanctuary to Christian Church The Excavation of Mære Church in Trøndelag. In: Norwegian Archeological Review Vol. 2. Oslo 1969. S. 7

[35] Völuspá.Übersetzung von Guðni Jónsson. http://www.heimskringla.no/wiki/V%C3%B6lusp%C3%A1 Str. 7

[36] De Vries, Jan. Altgermanische Religionsgeschichte. Band II. Berlin u. Leipzig. 1937. S. 108

[37] Kvalø, Frode; Endre Elvestad, David Tuddenham, Morten Sylvester, Andreas Stångberg. Kulturminner i ferskvann.Vitark 4. Acta archeologica Nidrosiensia. Vitenskapsmuseet NTNU. Trondheim 2004. S. 45

[38] Eddukvæði. Sæmundar-Edda. Übersetzung von Guðni Jónsson. http://www.heimskringla.no/wiki/Hyndlulj%C3%B3%C3%B0 Str. 10; De Vries. Ebd. S. 108

[39] Olsen, Olaf. Hørg, Hov og Kirke. København 1966. S. 76

[40] Eddukvæði. Sæmundar-Edda. Übersetzung von Guðni Jónsson. http://www.heimskringla.no/wiki/Gr%C3%ADmnism%C3%A1l Str. 16

[41] Rønne, Preben. Horg, hov og ve- et førkristent kulturanlæg på Ranheim i Sør-Trøndelag. NTNU. Trondheim 2010.

[42] Ebd. S.4 ff

[43] Näsström, Britt-Mari. Blot. Stockholm 2002. S. 136

[44] Rønne, Preben. Horg, hov og ve- et førkristent kulturanlæg på Ranheim i Sør-Trøndelag. NTNU. Trondheim 2010. S. 1

[45] Larsson, Lars. The Iron Age ritual building at Uppåkra, southern Sweden. Lund 2006. S. 11-13. In: Antiquity Volume 081 Issue 311. March 2007.

[46] Ebd. S. 20

[47] Auch das Langhaus von Borg (Norrköping) in Östergotland darf in diese Gruppe hinzu gerechnet werden. Ganz ähnlich mag es sich mit den im Jahre 2000 unter der Leitung von Dagfinn Skre ausgegrabenen Langhausspuren auf Huseby verhalten. Diese Halle salr, welche gegen Ende des 8. Jahrhunderts nahe Larviks gebaut wurde, brachte dem benachbarten Handelsplatz Kaupang möglicherweise seine Bezeichnung Skíringsalr ein. Skre, Dagfinn. Kaupang in Skiringssal. Kaupang Excavation Project Publication Series, Vol. 1. Norske Oldfunn XXII. Oslo 2007. S.227 ff

[48] Laurent, Johann Christian Moritz, Wilhelm Wattenbach. Geschichtschreibung der. deutschen Vorzeit. 2. Gesammtausg. Bd. XLIV. Adams von Bremen. Hamburgische Kirchengeschichte. Nach der Ausgabe der Monumenta Germaniae. Leipzig 1893. Kapitel 26; Scholion 135.

[49] Alkarp, Magnus, Neil Price. Tempel av guld eller kyrka av trä? Markradarundersökningar vid Gamla Uppsala kyrka. Fornvännen: meddelanden från K. Vitterhets, historie och antikvitets akademien. – 0015-7813. ; :12005. S. 267

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Tuxen, Laurits. Absalon fällt das Gottesbild des Svantevit in Arkona

 

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Ein Gedanke zu „*Der schlaue Runenstein – Stabkirchen und Baukunst – Spiegel von identitätskonstruktivem Synkretismus?

  1. Sehr guter Artikel! Freue mich auf weiteres und bin auf die ersten aufnahmen vor Ort oder gar schon davor gespannt! Bitte weiter so! Die Energie, die ihr in dieses Projekt zustecken scheint, ist sehr lobenswert und vorbildlichster Art! Danke dafür!

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